Es freut mich, dass Ihr Euch über das »schöne Wetter« freut. Aber.

Wirklich, ich finde es super, wenn sich so viele Leute dermaßen über Sommer, Sonne, Badespaß und so weiter freuen. Ich gönn’ es Euch, wirklich. Wirklich. Und ich finde es auch nicht super, dass da gleich gewisse Parteiproponenten auf den gegenteiligen Zug aufspringen und Politik damit machen, nachdem sie noch vor kurzem was von »Wetter ist nicht Klima« faselten. Gegessen.

Aber mich macht die gegenwärtige Kombination aus Temperaturen und Taupunkt fertig. Ich bin damit nicht allein, die letzten Jahre starben jährlich über 800 Leute in der Schweiz extra, in den Hitzewellen, zusätzlich zum Jahresdurchschnitt. Ein etwaiger BIP-Ausfall lässt sich schwer beziffern, aber es ist auffällig, wie oft das Thema Hitze-im-Büro sowohl beim Bund als auch in der Wirtschaftspresse Thema ist. Und wie selten ich gegenwärtig Leute ans Telefon bekomme, weil ich noch ein Interview mit ihnen machen müsste.

Bei mir jedenfalls sinkt der IQ ab 25 Grad Celsius pro zusätzlichem Grad um gefühlt 20 Punkte. Aktuell dürfte ich noch so um die 40-70 rum liegen. Ist halt so. Als Freiberufler kann ich mich damit arrangieren, stehe um 4.30 Uhr auf und habe bis 11 Uhr das meiste erledigt. Ich kann mich darauf einstellen, für etwas gibt es ja »Sommerferien«, da läuft eh wenig. Sprichwörtliches Sommerloch in den Medien. Weil, ich bin damit nicht allein. Die abgelehnten und vergeigten Aufträge haben mich trotzdem im Juni rund einen Viertel Monatsauskommen gekostet. Auch das geschenkt, auch das ist in der Kalkulation. Ich kenn mich ja.

Aber … nicht im Juni. Nicht anfangs Juli, nicht, bevor die erste Sommerwoche überhaupt durch ist. Das jetzt ist in etwa das, was nicht nur ich über die letzten Jahrzehnte so für ca. Ende Juli, anfangs August eingeplant habe(n) (nochmals, Stichwort »Sommerferien«). Wir liegen momentan so auf Niveau Super-Hitzesommer 1983 und 2003, Tendenz WTF. Und die absoluten Hitzerekorde seit Messbeginn fallen ebenfalls. Ist für viele Leute gerade nicht sonderlich schön. Und falls es anhalten sollte, dann wird es nicht nur bei mir prekär mit dem Auskommen.

Kurz: Es gibt Leute hier, die nicht mit den Temperaturen klar kommen. Man plant und arrangiert sich, aber manche wie ich werden einfach gaga. Andere sterben unverhofft. Ich möchte wirklich niemandem den Sommer madig machen, aber: Normal ist das nicht. Also wundert Euch bitte nicht, wenn manche Leute auch nicht mehr normal funktionieren, nicht mehr normal funktionieren können. Lustige Memes nachm Motto »Ist halt Sommer« helfen da wenig bis nichts. Ja, es ist Sommer. Die aktuelle Situation kann man trotzdem Scheiße finden. »Normal« ist sie so oder so nicht.

GTD Teil 4: Kunden als Kontexte

Die letzten Wochen besprachen wir die Unzulänglichkeiten von Kontexten in unserer heutigen Arbeitsrealität und diskutierten mögliche Alternativen. Heute folgt mein konkretes Beispiel.

Meine Kontexte, Stand Dezember 2016, in der Mac-Version von OmniFocus.

Im Kern von »Getting Things Done« steht die Idee, dass man, nun ja, Dinge erledigen will. Viele GTD-Nutzer setzen auf ein System mit vielen virtuellen Stellschrauben und Rädchen – besonders bei der Wahl der Kontexte. Ich schlage einen einfacheren Ansatz vor, der sich für mich als freiberuflicher Fotokorrespondent und Autor bewährt hat: Möglichst wenige Kontexte, gegliedert nach Klienten. Nicht nach nötigen Ressourcen oder einer anderen der bereits besprochenen Möglichkeiten, sondern der zentralen Frage folgend: Für wen mache ich das überhaupt? „GTD Teil 4: Kunden als Kontexte“ weiterlesen

GTD Teil 3: Kreativer(er) Umgang mit Kontexten

Genug über Kontexte in David Allens »Getting Things Done«-System gemosert: Im dritten Teil der GTD-Serie wird es konkret. Welche Methoden gibt es, um als Freelancer kreativer mit Kontexten zu arbeiten?

Nach den theoretischen Erörterungen der letzten zwei Male wollen wir heute am Beispiel von vier Ansätzen besprechen, wie man das Konzept der »Kontexte« in unsere moderne Arbeitswelt retten könnte. Diese Vorschläge sollen zeigen, dass Sie auch anders an Ihre Kontexte herangehen können als gewohnt. Oder, falls Sie sich für GTD interessieren aber noch nicht einsetzen: Kanonisch ist schön und gut, aber es muss nicht unbedingt so stier sein.

Zeit und Energie, kombiniert

Dieser Ansatz ist besonders bei Digital-Nutzern beliebt – denn man spart sich so die Suche nach passenden Datenfeldern für die klassischen GTD-Kriterien »Energieniveau« und »Zeitaufwand«, muss sich also weniger mit meist nervigen UI herumschlagen. „GTD Teil 3: Kreativer(er) Umgang mit Kontexten“ weiterlesen

GTD, Teil 2: Klassische Kontexte und ihre Probleme

Besonders für Freiberufler ergeben die klassischen Kontexte nach David Allens »Getting Things Done« oft nur wenig Sinn. Wo die konkreten Probleme liegen diskutieren wir in diesem zweiten Teil der GTD-Reihe.

Wie letzte Woche besprochen ist der Einsatz von Kontexten ganz generell für viele Menschen schwierig geworden. Kontexte scheinen von der modernen Realität überrollt worden zu sein. Dabei ist das Prinzip auch heute noch sinnvoll – der Kontext ist aus gutem Grund die wichtigste der vier Säulen der »Getting Things Done«-Methode. Das System geht davon aus, dass man jede einzelne Aufgabe nach vier Kriterien definieren bzw. auswählen kann:

  1. Kontext
  2. Nötiger Zeitaufwand
  3. Nötiges Energieniveau
  4. Priorität

Nicht immer muss man für eine Aufgabe alle vier Kriterien festlegen, aber: Zu jeder Aufgabe gehört immer ein Kontext. Nicht unbedingt der erwartete Zeitaufwand, das benötigte Energieniveau (»wie geistig fit muss ich sein, um diese Aufgabe zu erledigen?«) oder eine Priorität. Aber Kontext? Ein Muss. „GTD, Teil 2: Klassische Kontexte und ihre Probleme“ weiterlesen

GTD für (heutige) Freischaffende, Teil 1: Über Kontexte

Ich verwende seit vielen Jahren eine Variante der »Getting Things Done«-Methode (GTD). Aber wie nützlich sind deren Konzepte für heutige Freelancer? Eine Betrachtung in einer losen Artikelreihe.

Wie viele GTD-Nutzer halte auch ich mich schon beinahe sklavisch an einige der klassischen Regeln wie z.B. »Was du in 2 Minuten erledigen kannst, erledige sofort« oder »Im Zweifelsfall lieber ein zusätzliches Projekt eröffnen statt eine ungeordnete Liste verwenden.« Aber wie vielen anderen auch hat mir David Allens Metapher der »Kontexte« zusehends Mühe gemacht – ärgerlich, da der Kontext einer der vier Grundpfeiler des gesamten GTD-Systems darstellt.

Weshalb gibt es sowohl unter Hardcore-GTD-Anhängern als auch in den Software-Communities für Produkte wie 2Do oder OmniFocus ständig Diskussionen darüber, was ein passender Kontext sein könnte oder wie viele Kontexte eine Aufgabe tatsächlich haben sollte? Allen hat das doch alles definiert! Der Kontext ist die eine nötigste Voraussetzung, um überhaupt eine Aufgabe erledigen zu können! Logisch und einfach!

Ja. Das war es vielleicht, als Allen sein Buch veröffentlichte. Aber das GTD-Konzept ist mittlerweile doch recht alt geworden. „GTD für (heutige) Freischaffende, Teil 1: Über Kontexte“ weiterlesen