Ein bildzentrischer Jahresrückblick 2020

2020 war kein gutes Jahr für viele freiberufliche Reporter und Journalist:innen. Mein persönlicher Rückblick soll auch in dieser Hinsicht als Illustration herhalten.

Die folgenden Einträge sind bereits auf Facebook erschienen, so einen Monat pro Tag, aber ich dachte mir: Hey, ich könnte auch mal wieder etwas in mein Blog hängen. So gebündelt und so. Ergo:

Januar 2020

Im Januar war noch alles »normal«, könnte man sagen. Mehr noch, ich startete privat wie beruflich ausgezeichnet ins 2020. Alles deutete darauf hin, dass dieses Jahr noch erfolgreicher verlaufen würde als 2019, mein bestes (Arbeits-)Jahr seit den frühen 2000ern, und das, obwohl Januar in der Regel für mich ein eher »langsamer« Monat ist. Ob Porträts von und Interviews mit Fischhändlern und Lädeli-Besitzerinnen, Reportagen zu Bio-Rindfleisch, libanesische Erfinder im Toggenburg, das Neujahrskonzert der Musikgesellschaft Harmonie (Bild) oder Parteianlässe im Vorfeld der kommenden Wahlen – alles war möglich, alles war gefragt.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 239, viel für einen Erni-Januar

Februar 2020

Mitte Februar hörte ich das erste Mal abseits von Randnotizen von »Corona«, denn ich berichtete vom traditionellen Raiffeisen-Finanzapéro in Wattwil. Für den Referenten war klar, dass die Wahl zum US-Präsidenten das wichtigste Ereignis 2020 werden würde, aber er erwähnte auch »dieses Virus, das sich in China breit macht.« Mein Interesse geweckt las ich mich ins Thema Sars-Cov-2 ein. Mir wurde ein bisserl mulmig, aber als ich zwei Tage später Bruno Damann an der Hauptversammlung des Jägervereins Toggenburg in Lichtensteig traf (Bild), erwartete ich nicht, dass ich ihn im Verlaufe des Jahres in gleich so vielen Pressekonferenzen sehen werde. Noch nicht.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 92, normal für einen Februar

März 2020

Shutdown! Für den 16. März rief der Bundesrat die »außerordentliche Lage« aus, und es war eigentlich klar: Das Virus wird uns noch bis weit ins Jahr 2021 beschäftigen. Ich hoffte entsprechend, dass Bund und Kantone nicht den Fehler machen würden, die vorhersehbare Herbst-Welle zu unterschätzen und nach dem Shutdown die Sache schleifen zu lassen. Tjahaha, shame on me. Für mich zeichnete sich ab, dass der April beruflich nicht so der Bringer werden würde – eine »meiner« Zeitungen stellte in Aussicht, bis Ende Jahr auf die Dienste freier Mitarbeitenden zu verzichten. Aber es war nicht alles schlecht in der ersten Welle; mit Projekten wie Toggenburg hilft wollten uhuere viele Menschen ihren Mitmenschen, nun ja, helfen. Und ich arbeitete mich für die Lieblingsbücher-Serie von Thurgaukultur (siehe unten) in Videoschnitt und -Produktion ein. Weiterbildung so zu sagen.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 142, halb so viel wie normal

April 2020

Wie erwartet riss der April ein gehöriges Loch in mein Auftragsbuch – aufgrund der weggebrochenen Werbeeinnahmen schrumpften die Bundumfänge der Zeitungen und damit auch der Platz für Beiträge aus der Region. Einer der wenigen Artikel, die ich machen konnte, führte mich aber zu Nistkästen auf Hochhausdächern in Wattwil, das war toll (Bild). Aber an Event-Berichterstattung, mein eigentliches Hauptgeschäft, war nicht zu denken. Und zu allem Unglück stoppten die meisten meiner PR-Kunden etwaige Medienmeldungen. Oh, well. Ist halt Pandemie, ne? Aber einen Lichtblick gab’s trotzdem – im April begannen Frank Treichler und ich mit der Neuauflage meines Capture-One-Buchs. Gemeinsam haben wir das Dingens komplett umgebaut und für die Version 21 fit gemacht, so voll mit NDA unzo. Im Moment ist das Manuskript im Lektorat, ca. Februar 2021 wird’s erscheinen.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 37. Oops.

Mai 2020

Shutdown vorbei! Nun ja, nicht für alle – Veranstaltungen blieben weiterhin schwierig bis unmöglich. Und auch wenn die Geschäfte öffnen durften und sich bei vielen Toggenburgerinnen und Toggenburger wieder so etwas wie Normalität einstellte, galt das nicht für die Alters- und Pflegeheime, wie ich im Risi Wattwil hautnah miterleben durfte (Bild). Die waren – und sind es wieder – faktisch in einem harten Lockdown. Während spätestens seit Mai Politiker:innen und Lobbyisten wegen »viel zu strengen Maßnahmen« rummoserten, machten die Fachkräfte Pflege und Betreuung weiter ihren Job und versuchten, das Beste aus der Situation zu holen. Dass sie dafür auch heute noch höchstens ein bisserl Applaus bekommen, statt griffige Verbesserungen im Arbeitsalltag, macht mich immer noch wütend.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 40

Juni 2020

Während die einen Corona für beendet erklärten (lol), litt die Eventbranche weiter. Mit einem nationalen Aktionstag bzw. Nacht, der Night of Light, wollten von den Maßnahmen direkt betroffene Betriebe wie das Chössi-Theater (Bild), Künstler:innen, Techniker:innen, aber auch indirekt Betroffene wie Zulieferer und Freiberufler auf die schwierige Situation aufmerksam machen. Aber brachte wenig – Partei- und Politikmenschen schätzen wohl den Anteil am BIP und Jobmarkt der Event-Brache völlig falsch ein. Es gab im Juni ein wenig Hoffnung, dass es im Spätsommer wieder los gehen könnte. Auch in meiner Aargauer Band, LRRH, hielt sich der Optimismus, im August doch noch am Wettiger-Fäscht auftreten zu dürfen. Nun ja. Unsere Bandprobe im Juni sollte zur vorletzten in diesem Jahr werden.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 70

Juli 2020

Der Juli verlief wieder fast »normal«, zumindest beruflich. Ob Mini-Openair in Ebnat-Kappel, Fernwärme-Diskussion in Kirchberg (Bild) oder Vorbericht zur kommenden Wanderausstellung »Freie Republik Bad Hemberg« der Kunsthalle[n] Toggenburg für gleich zwei Publikationen – ein fast normaler Juli. Fast. Denn es zeichnete sich ab, dass die Jazztage im August nicht durchgeführt werden können. Ein weiterer Zeitungsverlag stellte vorsorglich die Zusammenarbeit mit Freiberuflern ein. Man musste immer und überall seine Kontaktdaten hinterlassen. Und privat waren wir bereits im fünften Monat dermaßen auf Massiv-Sozialkontakte-Reduktion, dass es zur Intervention unserer engsten Freunde kam. (Danke, übrigens.) Als dann auch noch Dreizehntel verstarb, nun ja. Bei allem Positiven, das der Juli brachte, schön war er nicht wirklich, und mir schwante Übles für Spätsommer und Herbst.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 189

August 2020

Der August war für mich vielleicht der einschneidendste Monat dieses Jahr. Mag komisch klingen, aber dass die Jazztage Lichtensteig ausgefallen sind, führte bei mir zu einem verschobenen Zeitgefühl. Wir leben erst seit 2015 hier im Städtli, aber ich habe unbewusst begonnen, mein erlebtes Jahr um die Jazztage rum zu strukturieren – fällt das weg, »passen« plötzlich gut fünf Monate nicht mehr in meinen Kopf. Die Wilden Weiber haben am Jazztage-Wochenende stattdessen die »Bunten Tische« veranstaltet (Bild), das hat ein wenig geholfen und verlief dank großer Disziplin aller Gäste und Beteiligten ohne, dass der Tag zum Superspreader-Event mutiert wäre. Aber … ein guter Monat wäre anders gewesen. Und ein Blick auf die Reproduktionszahlen ließ mich wundern, weshalb Bund und Kantone die Sache so locker zu nehmen schienen.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 161 – in einem normalen Jahr wären es über 800 gewesen

September 2020

Im September fielen die eh schon geringen Stützmittel des Kantons für indirekt von den Maßnahmen Betroffene weg. Ich war also angehalten, wieder möglichst alle Aufträge anzunehmen. Das fühlte sich eigenartig an. Einerseits hatte sich bereits im August abgezeichnet, dass es so ab ca. Ende Oktober, November nicht nur mit Fallzahlen, sondern auch auf den Intensivstationen in der Schweiz knallen würde. Aber es gab keine griffigen Einschränkungen, und eine gewisse Müdigkeit (bei den einen) bzw. Leckmichamarsch (bei den anderen) machte sich breit. Ich musste – und konnte, glücklicherweise – fast wie in einem üblichen Jahr arbeiten, vorwiegend im Kulturbereich: Offene Ateliers wie bei Artur Sousa in Lichtensteig (Bild), die Eröffnung der Galerie 1923 in Wattwil oder die Ausrufung der »Freien Republik« in Hemberg seien speziell hervorgehoben. Alles mit Distanz, Lüften, Mund/Nasen-Schutz und so weiter. Ein ungutes Gefühl blieb trotzdem. Denn die Zahlen waren eindeutig.

Corona-Indikator-Fotos-für-Kunden-Counter: 189

Oktober 2020

Viele vorausschauende Veranstalter:innen sagten bereits im August und September Events für den Oktober ab, während sich wiederum viele Epidemiolog:innen und interessierte Dritte wunderten, weshalb der Bundesrat und die Kantone ned endlich handeln. Merci allen, die agierten statt reagierten. Denn bereits im August zeigten die Zahlen, dass ohne harte Maßnahmen die Fall- und Todeszahlen hochschnellen würden. Ganz zu schweigen vom Druck auf Pflegende und das Gesundheitswesen. Nun ja. Tja. Tempus fugit. Ich besuchte noch die Proben für den »Bettelmann« des Theatervereins Toggenburg (Bild). Um dann zwei Wochen später eine Reportage darüber zu schreiben, wie viel Aufwand die Absage einer solch großen Produktion verursacht. Spoiler: Sie sagten ab, bevor der Bundesrat reagierte, zeigten sich also weitsichtig. Der Aufwand war aber trotzdem, oder genau deshalb, immens.

Und dann schlich sich langsam der Winter in die Schweiz. Bund und Kantone entschieden sich, die Situation ganz genau zu beobachten.

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November 2020

Viele meiner Bekannten und Arbeitskolleg:innen erkrankten – die meisten zum Glück mit einem milden Verlauf, aber mindestens einer würde bis Dezember daran gestorben sein. Rolf, der Marathonläufer und mehrfache Teilnehmer des Frauenfelders, gab in seinem persönlichen Zieleinlauf alles und verstarb am 19. November noch vor besagtem Zeitungsbesitzer. Ohne Corona, aber mit den wegen Corona-Deppen nötigen Einschränkungen in Sachen »Trauerarbeit«. Danke, Deppen, Eure Ex-Wähler haben sich gemerkt, dass ihr was von »nur eine Grippe« und »wir müssen lockern!« faselten. Und immer noch faselt.

Item. Es zeichnete sich ab, dass die zweite Welle für Familien, Unternehmen und Selbständige im Kultur-, Veranstaltungs- und Gastrobereich härter ausfallen würde, als es die erste tat. Auch, weil ein großer Teil der vielgelobten Frühlings-Solidarität (vulgo Balkon-Klatschen) in der zweiten Welle wegfallen würde. Aber die Politik reagierte: Sie stritt sich über Kompetenzen – »Sache der Kantone« – und darüber, ob wir verlernt hätten, zu sterben, und stellte dann so für Januar, Februar 2021 (vielleicht) breitere Unterstützungsmaßnahmen in Aussicht. Passenderweise war einer der wenigen Aufträge, die ich noch sichern konnte, der Vortrag von Michel Meyer, Ex-Delegierter des IKRK (Bild). »Die menschliche Würde kommt jedem zu«, wie er dort sagte. Vielleicht sollten die von uns gewählten Politiker:innen auch mal zuhören.

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Dezember 2020

Eigentlich wollte ich schon anfangs Jahr eine zusätzliche Band in der Nähe suchen, um öfters live auftreten zu können. Aber yay, Corona. Dann ergab sich im Dezember per Zufall (und via Twitter) doch noch etwas Tolles – neben den beiden Jungbüsis Fauci und Ælfric, natürlich, aber nicht minder wichtig fürs Seelenheil: Ich spiele jetzt Bass bei Scream Therapy. Alles geili Sieche. Und ich freue mich darauf, 2021 (oder 22) mal endlich wieder live abzurocken. 🤘

Gesellschaftlich, politisch und beruflich jedoch war der Dezember eine Kurzfassung des gesamten Jahres 2020. Passenderweise arbeitete ich im Herbst/Winter an gleich drei Beiträgen zu psychiatrischen Themen, unter anderem zum Peers-Pilotprojekt im Tageszentrum Toggenburg des SGHV (Bild). Aber ja, Impf-Spinner und Seuchen-Fans, zahmer Mini-Shutdown, hunderte verschwundene britische Touristen, 80-100 Tote täglich … im Dezember 2020 war die Schweiz nicht das hellste Kerzchen am Corona-Christbaum.

Ich möchte meinen Jahresrückblick aber nicht mit Gefluche, sondern konstruktiv abschließen: Falls Ihr Hilfe braucht, hören Euch in der Schweiz telefonisch (u.a.) Pro Mente Sana unter 0848 800 858 und Die Dargebotene Hand via 143 zu. Beide bieten ebenfalls Beratung über E-Mail an, die 143 auch in einem Chat. Pro Mente Sana kann ich persönlich empfehlen, sie haben mir vor Jahren durch Krisen geholfen.

Godspeed you beautiful human beings. Take care. Be kind. Covid sucks.

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Jahrestotal: 1288

Jahresmittel 2017-19: 5498

… und dann hatte ich plötzlich wieder eine Olympus in der Hand

Vor einem Jahr wechselte ich für meine Reportage-Tätigkeit von Kleinbildsystemen zurück auf µ43. Über die nächsten Wochen möchte ich vom Umstieg berichten, die Vor- und Nachteile im Vergleich zu »Vollformat« diskutieren und auch das eine oder andere Bildli zeigen. Heute: Wetterfestigkeit.

Die Gründe für meinen Wechsel waren vielfältiger Natur, ganz zuoberst jedoch stand die Wetterfestigkeit: Ich mag vielleicht nicht in bzw. an der Nordsee Robben fotografieren oder im (verbleibenden) brasilianischen Tropenwald auf Wanzenjagd gehen, aber an Festivals fliegt Dir schon mal das eine oder andere Bier entgegen – oder es schifft, und Du musst trotzdem Bilder abliefern. Wenn Du einen Auftrag hast, kannst Du nicht sagen »och nö, das Wetter ist mir jetzt doch ein bisserl zu garstig« – Du musst arbeiten.

Schneeregen und Schlamm? Egal.
Schneeregen und Schlamm? Egal. (Dietfurt, 10. Februar 2019)

Entsprechend griff ich anfangs Juli 2018 zu einer Olympus E-M1 Mark II mit Batteriegriff und abgedichteten Objektiven. Vor kurzem hat eine OMD E-M1X (ja, das Ding) die Mark II als Hauptkamera abgelöst. Die Kamera ist noch besser abgedichtet und noch robuster. Man könnte wohl Nägel damit einschlagen oder unter einem Wasserfall campieren, so oder so jedoch etwaigen Schlamm (und Bier) einfach kurz unter der Dusche abwaschen. Und das ganze Geraffel passt locker in eine handliche Umhängetasche.

Eine Domke F-2 als Bereitschaftstasche: E-M1X, E-M1 Mark II mit Batteriegriff, 12-40mm/F2.8, 40-150mm/F2.8, 60mm/F2.8 Makro, 25mm/F1.2 und Kleinkram.
Eine Domke F-2 als Bereitschaftstasche: E-M1X, E-M1 Mark II mit Batteriegriff, 12-40mm/F2.8, 40-150mm/F2.8, 60mm/F2.8 Makro, 25mm/F1.2 und Kleinkram.

Wären meine Ansprüche an Wetterfestigkeit und Robustheit auch von einem Kleinbildsystem befriedigt worden? Natürlich. Bereits eine Nikon D850 ist ordentlich abgedichtet, die Profi-Gehäuse von Canon und Nikon sowieso. Aber dann geht das Geschleppe los, und ganz günstig sind die abgedichteten Objektive auch nicht – ein 70-200mm/F2.8 kostet mit fast 3000 Franken locker das Doppelte des äquivalenten (also für denselben Einsatzbereich gebauten, nicht rechnerisch gleichwertigen) Olympus-Objektivs, die Profi-Bodys ebenfalls fast das Doppelte einer E-M1X. Und eben – die Fototasche wird dann sehr schnell sehr groß und sehr schwer. Muss ich nicht haben.

»Aber Erni, Freistellung! Bokeh! Rauschverhalten!« Ja, ja. Darauf werde ich im nächsten Beitrag eingehen. Wobei, wenn ich so darüber nachdenke, da braucht’s wohl zwei Beiträge zu. Stay tuned.

Es freut mich, dass Ihr Euch über das »schöne Wetter« freut. Aber.

Wirklich, ich finde es super, wenn sich so viele Leute dermaßen über Sommer, Sonne, Badespaß und so weiter freuen. Ich gönn’ es Euch, wirklich. Wirklich. Und ich finde es auch nicht super, dass da gleich gewisse Parteiproponenten auf den gegenteiligen Zug aufspringen und Politik damit machen, nachdem sie noch vor kurzem was von »Wetter ist nicht Klima« faselten. Gegessen.

Aber mich macht die gegenwärtige Kombination aus Temperaturen und Taupunkt fertig. Ich bin damit nicht allein, die letzten Jahre starben jährlich über 800 Leute in der Schweiz extra, in den Hitzewellen, zusätzlich zum Jahresdurchschnitt. Ein etwaiger BIP-Ausfall lässt sich schwer beziffern, aber es ist auffällig, wie oft das Thema Hitze-im-Büro sowohl beim Bund als auch in der Wirtschaftspresse Thema ist. Und wie selten ich gegenwärtig Leute ans Telefon bekomme, weil ich noch ein Interview mit ihnen machen müsste.

Bei mir jedenfalls sinkt der IQ ab 25 Grad Celsius pro zusätzlichem Grad um gefühlt 20 Punkte. Aktuell dürfte ich noch so um die 40-70 rum liegen. Ist halt so. Als Freiberufler kann ich mich damit arrangieren, stehe um 4.30 Uhr auf und habe bis 11 Uhr das meiste erledigt. Ich kann mich darauf einstellen, für etwas gibt es ja »Sommerferien«, da läuft eh wenig. Sprichwörtliches Sommerloch in den Medien. Weil, ich bin damit nicht allein. Die abgelehnten und vergeigten Aufträge haben mich trotzdem im Juni rund einen Viertel Monatsauskommen gekostet. Auch das geschenkt, auch das ist in der Kalkulation. Ich kenn mich ja.

Aber … nicht im Juni. Nicht anfangs Juli, nicht, bevor die erste Sommerwoche überhaupt durch ist. Das jetzt ist in etwa das, was nicht nur ich über die letzten Jahrzehnte so für ca. Ende Juli, anfangs August eingeplant habe(n) (nochmals, Stichwort »Sommerferien«). Wir liegen momentan so auf Niveau Super-Hitzesommer 1983 und 2003, Tendenz WTF. Und die absoluten Hitzerekorde seit Messbeginn fallen ebenfalls. Ist für viele Leute gerade nicht sonderlich schön. Und falls es anhalten sollte, dann wird es nicht nur bei mir prekär mit dem Auskommen.

Kurz: Es gibt Leute hier, die nicht mit den Temperaturen klar kommen. Man plant und arrangiert sich, aber manche wie ich werden einfach gaga. Andere sterben unverhofft. Ich möchte wirklich niemandem den Sommer madig machen, aber: Normal ist das nicht. Also wundert Euch bitte nicht, wenn manche Leute auch nicht mehr normal funktionieren, nicht mehr normal funktionieren können. Lustige Memes nachm Motto »Ist halt Sommer« helfen da wenig bis nichts. Ja, es ist Sommer. Die aktuelle Situation kann man trotzdem Scheiße finden. »Normal« ist sie so oder so nicht.

Ein musikalischer Jahresrückblick letzter Teil: Notilus

In sechs Episoden lasse ich mein musikalisches 2018 nochmals Revue passieren. Last but not least: Die französischen Experimental-Jazzer von Notilus.

Zum Abschluss meiner kurzen Musik-im-2018-Reihe geht es zurück in den Bush, wo am 6. Oktober Notilus für mein Highlight des Jahres sorgte. Meine! Güte! Sind! Die! Gut! Die fünf Franzosen arbeiten im Brotberuf als Studiomusiker, zusammen auf der Bühne hingegen geben sie erst richtig Vollgas. Irgendwo zwischen skandinavischem Minimalismus-Jazz, Nine Inch Nails und altertümlichem Swing basteln sie Klanglandschaften, die man nicht nur gehört, sondern erlebt haben muss. Leider fanden an diesem Oktoberabend nur wenige den Weg in die Stadtau – Pech gehabt. Wer einen der wenigen Live-Auftritte von Notilus nicht ganz dick in seinen Kalender einträgt, der verpasst etwas.

2018 war ein tolles Musikjahr. Ich wünsche allerseits ein mindestens so gutes 2019. Lasst krachen!

Ein musikalischer Jahresrückblick Teil 5: bandXost

In sechs Episoden lasse ich mein musikalisches 2018 nochmals Revue passieren. Heute: Der Ostschweizer Nachwuchswettbewerb bandXost.

Recht kurzfristig schickte mich das St. Galler Tagblatt an den bandXost-Musikwettbewerb. Ich wusste nicht, was mich an diesem 1. Dezember erwarten würde. Was ich dann angetroffen habe liess mich trotz heftiger Erkältung lachen – denn die Finalisten, die an diesem Abend in der Grabenhalle auftraten, waren durchs Band weg richtig gut! Es steht nicht nur nicht schlecht um den Ostschweizer Musiknachwuchs. Im Gegenteil, wir können uns auf die nächsten Jahre freuen. Dass meine persönlichen Favoriten The Solar Temple den dritten Rang erstritten hatte mich schon gefreut; dass ich dann ein paar Tage später die verdiente Siegerin des Wettbewerbs Riana porträtieren durfte noch viel mehr. Und wieder, wie mit den Jazztagen, sei an dieser Stelle den Menschen hinter der Bühne ein großes Lob ausgesprochen – so freundlich und kompetent wurde ich als Reporter erst selten begleitet. Merci!