… und dann hatte ich plötzlich wieder eine Olympus in der Hand

Vor einem Jahr wechselte ich für meine Reportage-Tätigkeit von Kleinbildsystemen zurück auf µ43. Über die nächsten Wochen möchte ich vom Umstieg berichten, die Vor- und Nachteile im Vergleich zu »Vollformat« diskutieren und auch das eine oder andere Bildli zeigen. Heute: Wetterfestigkeit.

Die Gründe für meinen Wechsel waren vielfältiger Natur, ganz zuoberst jedoch stand die Wetterfestigkeit: Ich mag vielleicht nicht in bzw. an der Nordsee Robben fotografieren oder im (verbleibenden) brasilianischen Tropenwald auf Wanzenjagd gehen, aber an Festivals fliegt Dir schon mal das eine oder andere Bier entgegen – oder es schifft, und Du musst trotzdem Bilder abliefern. Wenn Du einen Auftrag hast, kannst Du nicht sagen »och nö, das Wetter ist mir jetzt doch ein bisserl zu garstig« – Du musst arbeiten.

Schneeregen und Schlamm? Egal.
Schneeregen und Schlamm? Egal. (Dietfurt, 10. Februar 2019)

Entsprechend griff ich anfangs Juli 2018 zu einer Olympus E-M1 Mark II mit Batteriegriff und abgedichteten Objektiven. Vor kurzem hat eine OMD E-M1X (ja, das Ding) die Mark II als Hauptkamera abgelöst. Die Kamera ist noch besser abgedichtet und noch robuster. Man könnte wohl Nägel damit einschlagen oder unter einem Wasserfall campieren, so oder so jedoch etwaigen Schlamm (und Bier) einfach kurz unter der Dusche abwaschen. Und das ganze Geraffel passt locker in eine handliche Umhängetasche.

Eine Domke F-2 als Bereitschaftstasche: E-M1X, E-M1 Mark II mit Batteriegriff, 12-40mm/F2.8, 40-150mm/F2.8, 60mm/F2.8 Makro, 25mm/F1.2 und Kleinkram.
Eine Domke F-2 als Bereitschaftstasche: E-M1X, E-M1 Mark II mit Batteriegriff, 12-40mm/F2.8, 40-150mm/F2.8, 60mm/F2.8 Makro, 25mm/F1.2 und Kleinkram.

Wären meine Ansprüche an Wetterfestigkeit und Robustheit auch von einem Kleinbildsystem befriedigt worden? Natürlich. Bereits eine Nikon D850 ist ordentlich abgedichtet, die Profi-Gehäuse von Canon und Nikon sowieso. Aber dann geht das Geschleppe los, und ganz günstig sind die abgedichteten Objektive auch nicht – ein 70-200mm/F2.8 kostet mit fast 3000 Franken locker das Doppelte des äquivalenten (also für denselben Einsatzbereich gebauten, nicht rechnerisch gleichwertigen) Olympus-Objektivs, die Profi-Bodys ebenfalls fast das Doppelte einer E-M1X. Und eben – die Fototasche wird dann sehr schnell sehr groß und sehr schwer. Muss ich nicht haben.

»Aber Erni, Freistellung! Bokeh! Rauschverhalten!« Ja, ja. Darauf werde ich im nächsten Beitrag eingehen. Wobei, wenn ich so darüber nachdenke, da braucht’s wohl zwei Beiträge zu. Stay tuned.

Es freut mich, dass Ihr Euch über das »schöne Wetter« freut. Aber.

Wirklich, ich finde es super, wenn sich so viele Leute dermaßen über Sommer, Sonne, Badespaß und so weiter freuen. Ich gönn’ es Euch, wirklich. Wirklich. Und ich finde es auch nicht super, dass da gleich gewisse Parteiproponenten auf den gegenteiligen Zug aufspringen und Politik damit machen, nachdem sie noch vor kurzem was von »Wetter ist nicht Klima« faselten. Gegessen.

Aber mich macht die gegenwärtige Kombination aus Temperaturen und Taupunkt fertig. Ich bin damit nicht allein, die letzten Jahre starben jährlich über 800 Leute in der Schweiz extra, in den Hitzewellen, zusätzlich zum Jahresdurchschnitt. Ein etwaiger BIP-Ausfall lässt sich schwer beziffern, aber es ist auffällig, wie oft das Thema Hitze-im-Büro sowohl beim Bund als auch in der Wirtschaftspresse Thema ist. Und wie selten ich gegenwärtig Leute ans Telefon bekomme, weil ich noch ein Interview mit ihnen machen müsste.

Bei mir jedenfalls sinkt der IQ ab 25 Grad Celsius pro zusätzlichem Grad um gefühlt 20 Punkte. Aktuell dürfte ich noch so um die 40-70 rum liegen. Ist halt so. Als Freiberufler kann ich mich damit arrangieren, stehe um 4.30 Uhr auf und habe bis 11 Uhr das meiste erledigt. Ich kann mich darauf einstellen, für etwas gibt es ja »Sommerferien«, da läuft eh wenig. Sprichwörtliches Sommerloch in den Medien. Weil, ich bin damit nicht allein. Die abgelehnten und vergeigten Aufträge haben mich trotzdem im Juni rund einen Viertel Monatsauskommen gekostet. Auch das geschenkt, auch das ist in der Kalkulation. Ich kenn mich ja.

Aber … nicht im Juni. Nicht anfangs Juli, nicht, bevor die erste Sommerwoche überhaupt durch ist. Das jetzt ist in etwa das, was nicht nur ich über die letzten Jahrzehnte so für ca. Ende Juli, anfangs August eingeplant habe(n) (nochmals, Stichwort »Sommerferien«). Wir liegen momentan so auf Niveau Super-Hitzesommer 1983 und 2003, Tendenz WTF. Und die absoluten Hitzerekorde seit Messbeginn fallen ebenfalls. Ist für viele Leute gerade nicht sonderlich schön. Und falls es anhalten sollte, dann wird es nicht nur bei mir prekär mit dem Auskommen.

Kurz: Es gibt Leute hier, die nicht mit den Temperaturen klar kommen. Man plant und arrangiert sich, aber manche wie ich werden einfach gaga. Andere sterben unverhofft. Ich möchte wirklich niemandem den Sommer madig machen, aber: Normal ist das nicht. Also wundert Euch bitte nicht, wenn manche Leute auch nicht mehr normal funktionieren, nicht mehr normal funktionieren können. Lustige Memes nachm Motto »Ist halt Sommer« helfen da wenig bis nichts. Ja, es ist Sommer. Die aktuelle Situation kann man trotzdem Scheiße finden. »Normal« ist sie so oder so nicht.

Ein musikalischer Jahresrückblick letzter Teil: Notilus

In sechs Episoden lasse ich mein musikalisches 2018 nochmals Revue passieren. Last but not least: Die französischen Experimental-Jazzer von Notilus.

Zum Abschluss meiner kurzen Musik-im-2018-Reihe geht es zurück in den Bush, wo am 6. Oktober Notilus für mein Highlight des Jahres sorgte. Meine! Güte! Sind! Die! Gut! Die fünf Franzosen arbeiten im Brotberuf als Studiomusiker, zusammen auf der Bühne hingegen geben sie erst richtig Vollgas. Irgendwo zwischen skandinavischem Minimalismus-Jazz, Nine Inch Nails und altertümlichem Swing basteln sie Klanglandschaften, die man nicht nur gehört, sondern erlebt haben muss. Leider fanden an diesem Oktoberabend nur wenige den Weg in die Stadtau – Pech gehabt. Wer einen der wenigen Live-Auftritte von Notilus nicht ganz dick in seinen Kalender einträgt, der verpasst etwas.

2018 war ein tolles Musikjahr. Ich wünsche allerseits ein mindestens so gutes 2019. Lasst krachen!

Ein musikalischer Jahresrückblick Teil 5: bandXost

In sechs Episoden lasse ich mein musikalisches 2018 nochmals Revue passieren. Heute: Der Ostschweizer Nachwuchswettbewerb bandXost.

Recht kurzfristig schickte mich das St. Galler Tagblatt an den bandXost-Musikwettbewerb. Ich wusste nicht, was mich an diesem 1. Dezember erwarten würde. Was ich dann angetroffen habe liess mich trotz heftiger Erkältung lachen – denn die Finalisten, die an diesem Abend in der Grabenhalle auftraten, waren durchs Band weg richtig gut! Es steht nicht nur nicht schlecht um den Ostschweizer Musiknachwuchs. Im Gegenteil, wir können uns auf die nächsten Jahre freuen. Dass meine persönlichen Favoriten The Solar Temple den dritten Rang erstritten hatte mich schon gefreut; dass ich dann ein paar Tage später die verdiente Siegerin des Wettbewerbs Riana porträtieren durfte noch viel mehr. Und wieder, wie mit den Jazztagen, sei an dieser Stelle den Menschen hinter der Bühne ein großes Lob ausgesprochen – so freundlich und kompetent wurde ich als Reporter erst selten begleitet. Merci!

Ein musikalischer Jahresrückblick Teil 4: Brass Quintett St. Gallen

In sechs Episoden lasse ich mein musikalisches 2018 nochmals Revue passieren. Heute: Das Brass Quintett des St. Galler Sinfonieorchesters.

Eigentlich war für den 2. September 2018 auf dem Chäserrugg etwas ganz anderes geplant: Im Rahmen der »Gipfelwerke II« hätte das Sinfonieorchester St. Gallen in voller Besetzung auf über 2000 Metern Höhe auftreten sollen. Aber das Wetter machte dem Anlass einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Das eilig aufgegleiste Ersatzkonzert der Blechbläser-Solisten taugte überraschenderweise für mehr als nur besagten Ersatz, viel mehr. Unter der Leitung des Konzertpädagogen Karl Schimke lieferte das Brass Quintett St. Gallen einen interessanten und überaus gewitzten Querschnitt durch die Musikgeschichte, dem auch die fragwürdige Akustik im Gipfelrestaurant nur wenig anhaben konnte.