CIPA-Zahlen und Akkuleistung von Spiegellosen

Nikon hat seine zwei ersten spiegellosen Kleinbild-Kameras vorgestellt. Und hat nicht nur in den Kommentarspalten Kritik wegen der Akkuleistung geerntet. Dabei ist die CIPA schuld daran.

Keine Nikon, hat aber dasselbe CIPA-Problem: Olympus E-M1.2

Die neuen Nikon-Modelle Z6 und Z7 sind nicht die ersten Systeme, die zum Teil harsche Kritik wegen der Akkuleistung erfahren. Als Olympus ihr aktuelles Spitzenmodell, die OM-D E-M1 Mark II, vorstellte, war bei manchen das Gelächter über »nur 440 Bilder pro Akku« groß. Ein Spielzeug, für Profis unbrauchbar, was soll das? Nun also hat es die Z6 und Z7 getroffen – die »mickrigen« 330 Bilder pro Akku lassen die Wogen in den Kommentarspalten fast höher gehen als der fehlende zweite Karten-Slot.

Dabei steckt die Erklärung für die komischen Akkuwerte bereits im Begriff »Electronic Viewfinder Interchangeable Lens«, abgekürzt »EVIL«. Denn diese Elektronischer-Sucher-mit-Wechselobjektiven-Systeme funktionieren prinzipbedingt anders als die üblicheren digitalen Spiegelreflexkameras (dSLR). Und das macht die ebenfalls übliche CIPA-Messmethode für die Akkuleistung hinfällig – oder zumindest unbrauchbar als Vergleichswert zu klassischen Kameras.

TL;DR: Für spiegellose Systemkameras misst der CIPA-Akkutest nicht die Anzahl möglicher Bilder mit einer Akkuladung, sondern die Zeitdauer, in der die Kamera laufen kann. Bei dSLR hingegen spielt die Betriebszeit kaum eine Rolle, der relevante Stromverbrauch geschieht beim Auslösen. CIPA-Werte für die Akkuleistung lassen sich also kaum zwischen EVIL-Systemen und klassischen dSLR vergleichen.

Was ist CIPA?

CIPA steht für Camera and Imaging Products Association, einen Zusammenschluss von 16 Firmen, die im Fotografie-Bereich werkeln. Die CIPA gibt es seit 2002 und hat seither einen Haufen Whitepapers, Standards und Richtlinien erlassen. Der für diese Diskussion relevante Standard findet sich in Paper DC-002: Wie soll die Akkuleistung von Fotoapparaten gemessen werden?

Das böse EVIL-Problem

Der Standard stammt aus dem Jahre 2003 und ist vorwiegend auf Spiegelreflex-Systeme ausgelegt. »Na, Spiegellose konkurrieren ja auch mit dSLR, also passt das schon!« könnte man meinen. Aber im Testablauf stecken, dSLR-Ausrichtung sei dank, einige Dinge, an denen spiegellose Systemkameras zu beißen haben. Illustriert sieht das in etwa so aus:

Bild: CIPA, 2003. Meine Hervorhebungen.
Bild: CIPA, 2003. Meine Hervorhebungen.

Das größte Problem für EVIL-Systeme ist hervorgehoben – der standardisierte Testablauf möchte, dass die Kamera nach 10 Fotos ausgeschaltet wird. Und dass man sie dann wieder einschaltet und Dinge einstellt, um nach 30 Sekunden die nächsten 10 Fotos zu machen, jeweils mit 30 Sekunden Pause zwischen den Einzelbildern. Das macht man so lange, bis der Akku den Geist aufgibt. Soweit, so gut.

Eine dSLR verbraucht kaum Akku, wenn man die Belichtungseinstellungen ändert oder am Objektiv rumfuhrwerkt. (Nur wenig mehr Strom wird gebraucht, wenn man diese Einstellungen statt mit einem Schulter-Display oder gesonderten Drehreglern mit dem Schnell-Menü vornimmt.) Autofokus benötigt dann etwas Strom, aber das, was den Akku wirklich belastet, ist bei dSLR die abschließende Belichtung bzw. das Auslesen des Sensors und Schreiben auf die Speicherkarte. Der CIPA-Test schreibt zwar vor, dass man bei jedem Intervall das Display einschalten muss, aber wenn es sich von selbst ausschaltet, geht das in Ordnung, so lange im Sucher etwas zu sehen ist und die Kamera selbst noch läuft – bei dSLR prinzipbedingt kein Problem. Außerdem muss das Display kein LiveView zeigen, Menü reicht. Kurz gesagt: Erst, wenn man abdrückt, wird wirklich nennenswert Akkuleistung verbraucht.

Spiegellose funktionieren anders

Auch bei spiegellosen Systemkameras verbraucht die Belichtung / das Sichern auf die Karte im normalen Fotografiebetrieb am meisten zusätzlich Strom. Aber nur vergleichsweise wenig mehr, als wenn die Kamera einfach eingeschaltet ist. Eine gemäß CIPA-Vorgabe »betriebsbereite« EVIL-Kamera nuckelt bereits ordentlich am Akku rum. Denn der Dauer-Liveview ist an, um das Sucherbild darzustellen, Standby ist nicht erlaubt, da auf dem Bildschirm oder im Sucher was zu sehen sein soll. Je nach Modell und Einstellung läuft auch noch der Bildstabilisator. Beim Kaltstart verbraucht eine EVIL-Kamera nochmals ordentlich Strom (wie beim Hochfahren eines Computers oder Handys), manche lassen dann noch einen Sensorrüttler laufen, um Staub abzuschütteln. Der CIPA-Test hätte gerne immer nach 10 Bildern so einen Kaltstart.

Während die dSLR also noch vor sich hin döst und minimal Saft saugt, um die Einstellungen des CIPA-Ablaufs vorzunehmen, laufen die EVIL-Kameras bereits ordentlich warm. Und CIPA möchte gerne, dass 30 Sekunden zwischen den Bildserien gewartet wird. Um bei unserem aktuellen Beispiel, der Nikon Z7 mit einem CIPA-Wert von 330 Auslösungen, zu bleiben: Das wären bei 330 Belichtungen 33 Zyklen à 10 Bilder, also 33 x 30 = 990 Sekunden Akku, die im Vergleich zu einer dSLR zusätzlich verbrannt werden. Außerdem muss zwischen den Einzelbildern ebenfalls 30 Sekunden gewartet werden – für dSLR kein Problem, EVIL rödeln einfach weiter.

Kurz: Der CIPA-Akkutest ist das Worst-Case-Szenario für spiegellose Systemkameras. Denn er treibt sie unnötigerweise in den vorzeitigen Akku-Tod.

Fazit

Für EVIL-Kameras sind die CIPA-Werte wenig praxisrelevant. Alle diese Kameras kommen mit ausgeklügelten Standby-Funktionen, die der CIPA-Test größtenteils aushebelt. Im Fotografiealltag kommt es also nur selten vor, dass die Kamera tatsächlich zwei, drei Stunden oder so am Stück ohne Standby durchläuft. Video wäre so ein Thema.

Hätte Nikon einen dickeren Akku verbauen können? Klar. Die Sony A7R III hat eine größere Batterie mitbekommen, zur Freude der Besitzer der Vorgänger-Modelle. Aber es ist immer ein Abwägen von Platzverbrauch, Gewicht und Leistung. Die oben genannte Olympus E-M1 kommt auch nur deshalb auf 110 CIPA-Bilder mehr als die Z7, weil der Sensor 1/4 der Nikon-Sensorfläche hat. Nikon hat sich bei den ersten beiden Z-Kameras für eine vergleichbare Anzahl Bilder – in der Fotografiepraxis – wie mit ihren Spiegelreflex-Modellen entschieden. DPReview zumindest kam in seinem ersten Praxistest mit der Z7 immerhin auf gut 1600 Fotos, bis der Akku gewechselt werden musste. Zum Vergleich: bei der D850 kamen‘s auf 1840.

Es wäre wünschenswert, dass die CIPA ihren Akkutest an EVIL-Systeme anpasst. Mit Fuji, Olympus, Panasonic, Sony, Canon und jetzt Nikon sitzen immerhin alle relevanten Spieler des EVIL-Markts im Gremium. Bis (hoffentlich) auf DC-002/2003 ein DC-003/2019 folgt, sollte man aber bei Vergleichen bedenken: Der CIPA-Akkutest lässt kaum Rückschlüsse zu, wie viele Fotos denn tatsächlich mit einer Akkuladung aus einer spiegellosen Kamera zu kitzeln sind.

Happy Birthday iPad Pro

Seit genau einem Jahr verwende ich ein 12.9″ iPad Pro (fast) als einzigen »Personal Computer«. Hat gut geklappt, aus dem Experiment ist mein heutiger Normalzustand geworden.

Das, was ich damals nach fünf Monaten zum iPad Pro geschrieben hatte, gilt größtenteils noch immer. Ich spare mir heute also Grundsatzdiskussionen; in diesem Artikel möchte ich auf konkrete Lösungsansätze und Probleme eingehen. Also auf diejenigen Dinge, die sich die letzten 12 Monate als für mich ideal bzw. superstörend herausgestellt haben. Spoiler: Superstörend ist überraschend wenig.

Software

  • In Sachen Raw-Fotografie bin ich eigentlich ständig am experimentieren. Für Einzelbilder hat sich mein Workflow seit Februar nicht mehr groß geändert: FSN Pro nimmt dabei weiterhin die zentrale Rolle ein, Raw-Entwicklung geschieht in Affinity Photo. Viel zu umständlich, wenn man sich Windows- oder Mac-Software gewöhnt ist. Aber geht. Allerdings spiele ich seit gut 4 Monaten auch mit Lightroom CC rum. Dazu folgt bei Gelegenheit ein gesonderter Artikel. Schon jetzt die Kurzfassung: Aktuell die beste Raw-Bildqualität aufm iPad, aber der Abo-Preis von rund 6 Franken im Monat für Mobile-only ist etwas zu hoch, angesichts der fehlenden Funktionen. Ich mein, man kann noch nicht mal Bilddateien umbenennen oder Ausgabeoptionen abseits von »volle Auflösung oder 2048px?« wählen. WTF, Adobe.
  • Bildbearbeitung geschieht in Affinity Photo. Tolles Programm, ich bin auf das angekündigte große Update in ein paar Monaten gespannt. Kommt leider als Raw-Entwickler nicht an Lightroom CC ran, aber in den meisten Fällen ist die Qualität für meinen Einsatzbereich weitaus mehr als nur »gut genug«.
  • A propos Bildqualität: Das iPad Pro ist mit TrueTone erstaunlich genau. Ich arbeite nicht im Prepress-Bereich, aber Drucke bis A3 haben hier farbecht, ohne Tonwertabrisse und mit korrekter Schärfe funktioniert. Die üblichen Abzüge, seien sie fürs Web oder Zeitungsdruck oder als Stapel Postkarten, sind eh kein Problem.
  • Für größere Bildserien (mehr als 30 zu liefernde Fotos) oder kritische Abzüge z.B. für Ausstellungen setze ich hingegen weiterhin auf Capture One Pro. Wie ich das vom iPad aus mache? Folgt weiter unten.
  • Auf iOS geht praktisch nix ohne Cloud-Speicher. Nach einigem hin und her habe ich mich für Microsoft OneDrive entschieden. Der Hauptgrund? Für eine Redaktion benötige ich sowieso die korrekte Unterstützung von Word-Kommentaren und -Hervorhebungen. Und im Office365-Abo ist ein Terabyte mit dabei, also, wayne.
  • Ich nutze OneDrive sowohl für die Übergabe fertiger Bildstrecken als auch als externes Raw-Archiv. Der Upload dauert leider bei größeren Aufträgen ewigs lang, aber da OneDrive auch mit meinem lokalen iMac synchronisiert (eben, siehe unten), habe ich so quasi automatisch mehrere lokale Backups sowie eines »remote«. Automatisch insofern, dass ich nicht daran denken muss, das Zeugs während meiner Backup-Tage noch hochzuladen. Und so landen die Raw-Originale auch automatisch in meinem lokalen Raw-Archiv. Ich muss für einen anderen / besseren Abzug als den im JPEG-Archiv (das in Pixave liegt) also ned online sein. LAN genügt.
  • Von Office365 nutze ich nur (selten) Word und (dauernd) OneDrive. Fürs Schreiben setze ich auf Ulysses, für Redaktion nehme ich Apple Pages, Tabellenkalkulation Numbers. Der Grund dafür ist die iCloud-Integration aller drei Programme incl. Handoff. Und: Ulysses ist die angenehmste Schreibumgebung, die ich als Markdown-Fan bisher gefunden habe.
  • Für mich ist OmniFocus 3 mehr als nur eine Aufgabenverwaltung. Es ist eher so etwas wie eine Speichererweiterung fürs Gehirn. Darin landet alles, was mir irgendwie spontan durch den Kopf geht, oft via Siri (»Hey Siri Mehltau ist Kacke in OmniFocus«). Entweder wird dann daraus eine Aufgabe, ein Projekt oder es landet in meinem Informationsarchiv. Aber zentrale »Inbox« für das alles ist, wie schon die fast 10 Jahre zuvor auf Macs, OmniFocus.
  • Mein oben erwähntes Informations- und Dateiarchiv liegt in DEVONthink To Go 2, lokal auf dem iPad Pro und synchronisiert via iCloud. Dieser Sync-Store gleicht sich auch mit dem iMac ab und landet so in meinem mehrstufigen Backup-Ablauf.
  • Für die wenigen Mac-Applikationen, die ich manchmal benötige, verwende ich einen alten iMac im lokalen Netzwerk. Darauf greife ich via Screens zu, das iPhone wird damit zum Trackpad. Im LAN tut Screens schnell und mit guter Qualität; ich habe als iMac-Auflösung 1280×1024 gewählt (in den Auflösungseinstellungen Option / ALT gedrückt halten, wenn man auf »skaliert« klickt). Das füllt das iPad Pro ordentlich aus, es wird quasi zu einem via Netzwerk angeschlossenen Bildschirm des iMacs.
  • Dieser Zugriff ist allerdings selten nötig: 1x im Monat im Rahmen meines Backup-Ablaufs, sporadisch für Capture One Pro. Und ein paar Mal für die Steuererklärung, da mein Kanton auf eine Java-Applikation setzt. Bäh.
Ein großartiges Stück Software: Affinity Photo.
Ein großartiges Stück Software: Affinity Photo.

Hardware

  • Das Apple Smart Keyboard ist erstaunlich gut. Für eine Neuauflage wünsche ich mir aber noch einige Funktionsknöpfe wie ESC, Lautstärke- und Helligkeitsregler und so weiter. Aber ESC lässt sich zumindest mit CMD+. (Punkt) auslösen. Immerhin.
  • Stationär am Schreibtisch wechsle ich nach Lust und Laune zwischen einem Apple Magic Keyboard und einer mechanischen Lioncast LK20. Letztere wird über den Apple USB-Camera-Adapter angeschlossen und tut bis auf die verdrehten Command- und Option-Tasten 1A.
  • Beim USB-Adapter-Dings war auch der neuere SD-Adapter mit dabei. An aktuellen iPads löbbt der mit USB3-Geschwindigkeit, eine Speicherkarte mit einigen hundert Raw-Bildern wird damit ratzfatz geleert. Gutes Ding.
  • Der Apple Pencil kommt bei mir kaum zum Einsatz. Ich hatte gedacht, dass ich den häufiger nutzen würde. Aber da ich als fotografierender Journalist eh kaum retuschieren darf, hat sich das als Irrtum herausgestellt. Und als Notizblock ist das iPad Pro mit seinen 12.9″ etwas zu sperrig, ganz ab davon, dass es nun mal mein »PC« ist und ich es nicht für kurze Notizen ständig runterklappen will. Hier greife ich z.Z. lieber zu Notizbüchern von Leuchtturm1917 oder ein SenseBook. Aber für kleine Skizzen und vor allem Markierungen in PDFs und Fotos ist das Ding klasse.
  • Der Drucker ist im LAN eingebunden und kommt via AirPrint zum Einsatz. Glücklicherweise nur noch selten.
  • Das iPad Pro ist auch mein Dokumentescanner. Hier macht es sich bezahlt, dass Apple mehr als ordentliche Kameras verbaut. Ich denke, das dürfte auch eher der Grund fürs Einbauen gewesen sein, nicht, dass Leute damit Kirchen fotografieren oder so. Als Scanner-Software nehme ich Scanner Pro von Readdle.
  • Sie sollten die Investition in ein 29W-USB-C-Netzteil ernsthaft in Betracht ziehen. Am mitgelieferten Netzteil entlädt sich der Akku des 12.9″ iPad Pros bei größeren Arbeitslasten, selbst mit abgedunkeltem Bildschirm. Mit Fast-Charging des USB-C-Dings hingegen bekommen Sie das Tablet auch im laufenden Betrieb schnell auf so 80% hoch.
  • Sonst noch was? Ah ja, Second-Screen ist bei mir ein iPad Mini 4, machmal auch das iPhone SE. Mit den ganzen Continuity-Funktionen lässt sich damit manchmal beinahe so arbeiten, als säße man an einem Multi-Bildschirm-Arbeitsplatz.
Jo, das sollte für den Tag reichen.
Jo, das sollte für den Tag reichen.

Fazit

Würde ich den Schritt weg von Macs/PCs zu einem iPad Pro wieder wagen? Jo. Ich kann damit mittlerweile gut 90% meiner Arbeit erledigen und habe so das, was ich Computer-Paretoprinzip nannte, noch etwas mehr auf die Spitze getrieben – ohne, dass ich mit deutlichem Mehraufwand zu kämpfen hätte. Es arbeitet sich anders, nicht unbedingt besser oder schlechter. Einfach anders. In 2-3 iOS-Generationen dürften auch die letzten 10 Desktop-Prozent für mich wegfallen. Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass ich mir jemals wieder einen »klassischen« Rechner kaufen werde. Sicher jedenfalls nicht als Hauptrechner und/oder zum vollen Preis. Ist nix mehr für mich.

Für mich. Das sind zwei zentrale Wörter. Wer Partikelsimulationen erstellt oder 3D-Rendering oder AI-Forschung betreibt oder nur schon stundenlang HTML coden möchte, ist mit einem Desktop- oder Notebook-Rechner noch immer deutlich besser bedient. Wer Hygienefanatiker ist, wird mit einem iPad auch nicht glücklich werden, wer vorwiegend in Ordner- und Dateistrukturen denkt sowieso nicht, ebenso wenig Leute, die nicht gerne mit Tastaturkürzeln arbeiten und so ständig für jeden kleinen Arbeitsschritt den Arm heben müssen.

Aber für mich? Tut. Und macht auch Laune. Die lange Akkulaufzeit und hohe Portabilität haben meinen Arbeitsalltag komplett auf den Kopf gestellt – und zum Besseren gewandelt.

Fotoespresso: Anmerkungen in Capture One Pro 11

Anmerkungen sind neben dem überarbeiteten Umgang mit Ebenen die zweite große Neuerung in Capture One Pro 11. Damit zeichnen Sie Notizen, z.B. für die spätere Bildbearbeitung direkt ins Foto. Wir zeigen Ihnen, wie das geht und vor allem: was das soll.

Als Apple mit iOS 11 die Screenshot-Funktion radikal überarbeitete, war bei manchen das Staunen groß. Nicht nur konnte man endlich Screenshots ohne zu sichern an weitere Apps weitergeben und z.B. auf Twitter posten. Durch das iPad Pro und dessen Stift kam auch die Möglichkeit hinzu, kurz mal direkt in ein Bild reinzukritzeln und so Dinge hervorzuheben oder zu übermalen. Die Idee, Bilder mit Anmerkungen zu versehen, ist aber alles andere als neu. Anmerkungen, auch Markup oder Annotations genannt, begleiten die Fotografie seit ewigen Zeiten: Der Fotograf notierte so, wie im Labor zum Beispiel eine Ausschnittvergrößerung aussehen sollte (»Crop«) oder welche Bildteile bei der Vergrößerung selektiv nachbelichtet oder abgewedelt werden sollten (»Dodge & Burn«).

Was nützen Ihnen Anmerkungen in Capture One?

Capture One Pro 11 bietet Ihnen nun diese Funktionalität direkt im Raw-Entwickler. […] Aber auch als Einzelkämpfer sollten Sie sich Anmerkungen genauer ansehen. Zum Beispiel ist es als Lernwerkzeug nützlich: Betrachten Sie Ihre gelungensten Bilder und zeichnen Sie direkt ins Foto, was genau an dem Bild »passt«. Zeichnen Sie Perspektivenlinien ein, oder markieren Sie Vordergrund, Mitte und Hintergrund. Tun Sie im Anschluss dasselbe mit ihren schlechteren Bildern – Sie werden viel darüber lernen, wie Sie »fotografisch sehen«. Markieren Sie Bildfehler, störende Elemente, machen Sie sich Notizen über problematisch belichtete Stellen im Bild (wo ist zu viel ausgebrannt, wo zu viel unterbelichtet?), und Sie werden auch Ihre Kamera besser kennenlernen.

Anmerkungen sind nicht nur Kommunikationsmittel, sondern dienen auch als Gedankenstütze und Lernwerkzeug.
Anmerkungen sind nicht nur Kommunikationsmittel, sondern dienen auch als Gedankenstütze und Lernwerkzeug.

Mehr zu Anmerkungen in Capture One 11 lesen Sie im Blog des Fotoespressos, auch als Ergänzung zu meinem Buch Praxis Capture One Pro 10 – weil, Capture One geht jetzt bis 11!™

5 Monate später: Ungeordnete Gedanken zum iPad Pro

Seit bald einem halben Jahr bin ich sowohl beruflich als auch privat vorwiegend auf dem iPad Pro unterwegs. Zeit für ein Zwischenfazit in ungeordneten Punkten.

Wie im Dezember beschrieben habe ich mich 2017 statt für ein reguläres Computerupgrade für den Kauf eines iPad Pros entschieden. Seither ist viel Wasser die Thur runtergeflossen (der Thurgau würde wahrscheinlich angesichts der ganzen Flutwarnungen gar von zu viel Wasser sprechen) und ich habe einen besseren Durchblick: Was geht, was geht nicht mit dem iPad? Wie setze ich es tatsächlich ein, was tue ich entgegen der Werbung nicht? Wo hakt es, was habe ich gelernt? Diese Punkte möchte ich in einer, nun ja, Punkteliste aufführen.

  • Wie bei jedem Plattformwechsel muss man sich als iPad-Pro-Nutzer so vollständig wie möglich auf die Philosophie des neuen Betriebssystems einlassen, damit es einigermaßen funktioniert. Ein iPad ist kein MacBook, aber auch kein Chromebook oder Android-Tablet.
  • Fürs iPad heißt das: iCloud wo immer möglich, zur Not andere Clouddienste, aber das Denken in Dateistrukturen analog der Arbeit am PC wird Sie in den Wahnsinn treiben.
  • Ganz generell sollten Sie nicht versuchen, Ihre gewohnte Arbeitsweise an Mac oder PC auf dem iPad nachzubauen. Sie werden entweder komplett scheitern oder einen massiven Mehraufwand in Kauf nehmen müssen.
  • Das gilt insbesondere für die Fotografiearbeit, mehr dazu in Ausgabe 1/2018 des Fotoespressos. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber der Arbeitstitel für meinen Beitrag war »Bildverwaltung auf dem iPad: Zurück in die Steinzeit der Digitalfotografie?«
  • Die iOS-Tastatur nimmt viel zu viel Bildschirmfläche ein. Das ist der Hauptgrund, weshalb Sie in eine externe Tastatur wie das Smart Keyboard investieren sollten, nicht unbedingt die fehlende Haptik.
  • Es funktionieren übrigens auch mechanische USB-Tastaturen fast problemlos mit dem iPad Pro. Fast? Ja, CMD und OPT lassen sich anders als am Mac nicht austauschen. Ansonsten tut alles, meistens sogar etwaige Multimedia-Knöpfe.
  • Der Stift dient mir vorwiegend für Anmerkungen, groß gezeichnet oder Bilder retuschiert habe ich mit ihm bisher nicht. Aber für mich als Rheumatiker ist er immer wieder eine willkommene Hand- und Armentlastung.
  • A propos Ergonomie: Am Smart Keyboard tut das iPad Pro von Winkel und Abstand her gut für mich. Stationär sollten Sie die Anschaffung eines Tablet-Halters als Ergänzung zu einer externen Tastatur überlegen und vor allem Tastaturkürzel büffeln. Stichwort Gorilla Arm.
  • Ein langes Drücken der CMD-Taste listet in allen Apps vorhandene Tastenkürzel auf. Zu wenige Apps unterstützen jedoch Kürzel, bei mir mittlerweile eines der Haupt-Ausschlusskriterien beim Vergleich von App-Alternativen.
  • Das andere Ausschlusskriterium: Fehlende Unterstützung für Splitscreen. Hallo, das kam in iOS 9 anno 2015. Macht Hinne, Entwickler.
  • Ich habe mich daran gewöhnt, mein altes iPad Mini als »Second Screen« zu verwenden. Es zeigt oft meine Notizen und Rechercheunterlagen, während ich am großen iPad arbeite. Dank Continuity ist etwaiges Copy/Paste selten ein Problem, man arbeitet quasi wie auf einem einzelnen iPad mit zwei Bildschirmen und kommt so auch mal auf vier, fünf offene »Fenster« gleichzeitig, wenn man auf Multitasking stehen sollte.
  • Stichwort Multitasking: Wirklich parallel tun die meisten Apps nur 3-10 Minuten lang, dann legt iOS Hintergrund-Apps schlafen. Das hat einen direkten Einfluss auf Ihre Arbeitsweise; z.B. mal kurz im Hintergrund 500 Raw-Bilder aus Lightroom CC rendern lassen und im Vollbild ein Game spielen ist nicht.
  • Sie sollten entsprechend eher in »Arbeitskontexten« statt »Applikationen« denken. Pixave exportiert ein paar Dutzend Bilder? Dann kann ich im Splitscreen ja das Begleitschreiben für den Kunden aufsetzen und im Slide-Over bzw. der Aufgabenverwaltung das Projekt nachführen.
  • Mir persönlich hat das geholfen, meinen mittlerweile legendären Hang zur Prokrastination abzubauen. Klingt blöd, aber die fehlende Freiheit eines Mutlifenster/Multitastking-Betriebssystems hat sich für mich als echten Bonus herausgestellt. Your mileage may vary, aber die meisten aktuellen Studien sind sich einig, dass der Mensch bei weitem nicht so multitaskingfähig ist, wie viele glauben.
  • Um den Effekt zu maximieren sollten Sie aber möglichst auf Benachrichtigungen verzichten. Überlassen Sie etwaige Social-Media-Plings lieber Ihrem Handy.
  • Oh, und Bildschirm und Akkuleistung sind wirklich hervorragend. Gut gemacht, Apple.

Zu einzelnen der Punkte schreibe ich vielleicht irgendwann gesonderte Beiträge. Okay, wohl nicht über den Bildschirm und den Akku. Aber das ist ehrlich gesagt auch nicht so superrelevant, wenn man den Komplett-Wechsel von einem »richtigen« Betriebssystem auf iOS ernsthaft in Betracht zieht.

Fotoespresso: Ebenen in Capture One Pro 11

Anfangs Dezember brachte Phase One die neue Version ihrer beliebten Fotosoftware Capture One Pro auf den Markt. Mit Version 11 hat sich das alte Mantra »Evolution statt Revolution« bestätigt. Capture One Pro 11 ist schneller, liefert schönere Bilder, fühlt sich ausgereifter und runder an. Von den wenigen wirklich neuen Funktionen stechen besonders die Ebenen ins Auge. Wobei, neu? »Aufgefrischt« trifft es besser – aber diese Auffrischung hat entscheidende Konsequenzen für Ihre Arbeit in Capture One Pro 11.

Aus lokalen Anpassungen werden Ebenen

Ebenen überall: Capture One Pro 11 bietet Ihnen in jedem Werkzeugregister die Ebenenübersicht und Optionen an (Pfeil).

Rein technisch betrachtet verbergen sich hinter den Ebenen die guten alten lokalen Anpassungen. Sie pinseln noch immer Werkzeugeinstellungen in maskierte Bildbereiche, und diese Arbeiten können Sie wie bisher in maximal 16 Ebenen pro Bild verwalten. Aber weshalb hat Phase One die Bezeichnung geändert? Vor allem, weil die Arbeit in Capture One Pro 11 sehr viel stärker aufs Denken-in-Ebenen ausgelegt ist als noch in den Versionen davor. Kurz gesagt rücken lokale Anpassungen – und damit eben die, nun ja, Ebenen – stärker in den Fokus der Software.

Mehr zu Ebenen in Capture One 11 lesen Sie im Fotoespresso, dem Magazin und Blog des dpunkt.verlags. So ein bisserl als Ergänzung zu meinem Buch Praxis Capture One Pro 10. Viel Spaß mit!