Schreibblockaden und Stoßdämpfer.

Ein Gespenst wandelt unter den Schreiberlingen dieser Welt. Es befällt die Besten genau so wie Anfänger und die hoffnungslosen Fälle. Das Gespenst hat keine festen Konturen, aber einen schreckensvollen Namen: Schreibblockade. Und auch ich wurde immer wieder von ihm heimgesucht. Obwohl es eigentlich nur ein Schreckgespenst ist.

Nur ein Schreckgespenst? Die Schreibblockade hat mich schon x Aufträge gekostet!

Nun ja. Ich gebe es zu: Schreibblockaden sind unangenehm. Können einem wirklich den letzten Nerv rauben. Man sitzt unter Zeitdruck an seinem Manuskript, in vier Stunden muss es an die Jury verschickt werden. Und man hat keine Idee, wie man den herzensguten aber sarkastischen Mittvierziger mit der hochintelligenten aber spröden Lehrerin verkuppeln kann. Oder wie man den Supermagneten doch noch etwas interessanter darstellen könnte, damit ihn nicht nur coole New-Economy-CEOs kaufen. Denn davon gibt’s zu wenige, als dass sich die Produktion lohnen würde. Aber ich schweife ab.

Eigentlich sind Schreibblockaden keine Straßensperren, sondern nur Schlaglöcher auf der Route des Tippselnden. Der hoffentlich mit guten Stoßdämpfern ausgestattet ist, sonst hätte er sich besser nicht auf den Weg gemacht. Ein wenig so, wie wenn einer Chirurg würde, der kein Blut sehen kann. Aber es ist schon so: Manchmal weiß man einfach nicht, was schreiben. Wie sich ausdrücken. Manchmal ist der Kopf so leer wie nach einer Absinthe-Nacht. Das passiert sogar Teetrinkern, und nicht zu selten. Aber jeder lernt früher oder später, damit umzugehen.

Manche arbeiten mit Perspektivenwechseln. Think outside the box! Wie könnte man anders an den Text herangehen? Was käme bei raus, wenn ich ein Gedicht darüber schriebe statt eine Kurzgeschichte? Eine Radiowerbung statt Website-Blubber? Ich fand diesen Stoßdämpfer immer sehr nützlich.

Den Perspektivenwechsel kann man auch physisch vornehmen. Du sitzt seit drei Stunden an einem Absatz? Zieh das Jackett an, die Schuhe nicht zu vergessen, und lauf einmal um den Block. Oder mach endlich mal den Abwasch von letzter Woche. Der Kompost müsste auch einmal runtergebracht werden; und überhaupt, wie sehen denn die Fenster aus? Hier lauert die Gefahr der Prokrastination, der Aufschieberitis. Aber unser Unterbewusstsein arbeitet weiter, während wir etwas ganz Anderes erledigen. Oft zum Gewinn für die Sache. Das alte Klischee von „ich saß gerade auf dem Klo, als mir die treffe Formulierung kam“ hat schon etwas für sich. Ergo: Überall im Haus Papier und Stift bereitlegen. Besonders im Badezimmer.

In absoluten Härtefällen hat es sich für mich bewährt, die Schreibblockade selbst zu thematisieren. Know your enemy und so. Und zieh ihm die metaphorischen Zähne, indem du dich über ihn lustig machst. Und hey, vielleicht kann man den Hirnabfall ja später verwenden. Was weiß ich. Für einen Wettbewerb zum Thema „Schreibblockade“ oder so etwas.

Jeder Schreiberling sollte sich klar sein: Schreibblockaden gehören dazu. Wie ein verstauchter Knöchel beim Fußballspiel. Oder ein explodierender Heizungskessel für einen Klempner. Shit happens! Manche Autoren haben es nie erlebt, die anderen dürfen dafür eine Zangengeburt nach der anderen über sich ergehen lassen. Die Frage ist also nur, wie man denn damit umgeht, wenn es einen trifft.

Meine Meinung: Nicht dämonisieren. Ich hatte zu oft Kontakt mit anderen Autoren, die bitterlich weinten, weil sie seit zwei Wochen kein Wort schreiben konnten. Und alles auf diese ominöse „Schreibblockade“ schoben. Dabei lagen die Gründe vielleicht ganz wo anders. Heizung zu niedrig gedreht. Direkte Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz. Der Partner hat sich einen Dildo gekauft. Und so weiter. Löse diese Probleme, diese Dissonanzen, dann klappt’s auch mit dem Schreiben. Ohne, dass man die Ghostbusters rufen muss.

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2 Gedanken zu „Schreibblockaden und Stoßdämpfer.“

  1. „Und hey, vielleicht kann man den Hirnabfall ja später verwenden. Was weiß ich. Für einen Wettbewerb zum Thema „Schreibblockade“ oder so etwas.“

    …oder einen Blogeintrag 😀

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