Was tippselt ein freier Texter?

Immer, wenn ich von neuen Bekannten gefragt werde, wie ich so mein Geld verdiene, wird mir das Herz schwer und ich muss seufzen. Denn ich kenne die Reaktion der Leute langsam, wenn meine Antwort „ich arbeite zwischendurch freischaffend als Texter“ lautet. Diese Reaktionen kann man grob in drei Kategorien einteilen:

  1. Der uninformierte Besuch sagt: „Oh, Sie sind Journalist?“
  2. Der besser informierte Besuch mit Zugriff auf Wikipedia faselt irgend etwas von Werbeagenturen.
  3. Der unbedarfte Besuch starrt mich an, als hätte ich gerade den Familienhund mit einer Waschmaschine erschlagen.

Nach etwas Erklärung meinerseits verstehen die Leute aber oft, dass ich einfach im Auftrag von Dritten schreibe. Meistens folgt darauf die Frage, was man denn genau „texte“. Und da die Frage berechtigt ist, widme ich ihr diesen Beitrag.

Was textet ein freier Texter denn so?

Die kurze Antwort ist: Alles, was ein Schriftsteller oder Journalist nur selten selbst schreiben würde. Freie Texter setzen (bestehende) Konzepte und Inhalte sprachlich um. Das wär’s eigentlich. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht mit einem Agentur-Texter verwechselt wird, denn der ist fast immer Werbetexter und damit spezialisiert. Slogans, Claims und so. „Ich bin doch nicht blöd!“. Ja, ja. Und natürlich gab es auch immer Schriftsteller wie zum Beispiel Erich Kästner, die nebenbei als Texter gearbeitet haben.

Die lange Antwort ist, wie so oft, etwas komplizierter. Aber erinnern Sie sich an die kurze Antwort, das sollte für die Allgemeinbildung reichen.

Die lange Antwort: Freischaffende Texter schreiben Marketingblubber und Medien-Mitteilungen, kurze Informationsartikel, Reden, Benutzeranleitungen, Präsentationsfolien, Inserate, Speisekarten, Klappen- und Verpackungstexte, Nachrufe etcetera p. p. Manchmal sind sie auch als Ghostwriter unterwegs. Und nicht selten verwischt die Abgrenzung zum Journalismus oder zur Textredaktion. So oder so findet meistens eine Spezialisierung statt.

Wer oft Grabreden verfasst wird sich kaum dazu genötigt fühlen, auch Werbetexte zu schreiben. Wer sich gut mit Netzwerken auskennt und FAQ-Artikel für Computerhersteller tippselt, fühlt sich selten in der Gastronomie wohl. Und selbstverständlich hassen es P. R.-Texter, fürs Marketing zu arbeiten. Klar. Wer nicht?

In Agenturen sieht die Sache anders aus. Da gilt eigentlich immer: Texter = Werbetexter. Nicht gerade selten findet man dann auf Visitenkarten die hübsche Berufsbezeichnung „Texter/Konzepter“. Damit sind Texter gemeint, die sich um die gesamte sprachliche Seite eines Werbeprojekts kümmern. Komplett mit Kommunikationskonzept, zu viel Kaffee und viel zu langen Meetings mit dem Kunden.

Die meisten freischaffenden Texter arbeiten dann auch, nicht sehr überraschend, fürs Marketing – noch ein Grund dafür, dass im Deutschen „Texter“ gerne als Synonym für „Werbetexter“ verstanden wird. Obwohl Werbung und Marketing eigentlich zwei Paar Schuhe sind. Egal.

Es gibt aber z. B. auch den sogenannten „Technical Writer“. Oder eben die Begräbnis-Leute. Einige freie Texter konzentrieren sich auf ein Medium und schreiben nur fürs Internet oder nur für den Druck. Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Branche. Oh ja, die Branche. Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal etwas.

Dieser Artikel erschien erstmalig am 12. September 2008 im Forum der Schreibszene Schweiz.

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