Ein Hammer ist ein Hammer ist ein Hammer.

Heute wird’s etwas nüchterner als sonst. Denn: Wenn sich jemand für den Beruf des (freischaffenden) Texters interessiert, sollte diese Person auch eine Ahnung haben, was in Sachen Investitionen anfallen wird. Denn natürlich braucht auch ein Texter Handwerkszeug.

Werkzeuge für Texter? Was gibt es da denn zu besprechen? Ist doch klar!

Einen Computer, Word, einen Drucker, fertig!

Und ein Zimmermann arbeitet nur mit dem Hammer. Klar.

Selbstverständlich, Computer und Drucker braucht man zwingend. Nicht unbedingt die allerneusten Modelle, man faltet ja keine Genome oder visualisiert die Weltwirtschaftskrise. Aber Word ist als Schreibumgebung nicht wirklich notwendig. Wir wissen ja schon, was ein Texter seinem Auftraggeber überreicht. Für solche Manuskripte (selbst die für „Anspruchsvolle Kunden“) braucht man nicht notgedrungen das teure Microsoft Office. Teuer? Ja – denn wenn man Geld damit verdient, kommt man um die Kommerz-Vollversion nicht herum. Und die kostet in der kleinsten Variante, „Small Business“, schon um die 300 Euro. Viel Kohle für einen Frischling!

Also lohnt es, sich auch einmal die Alternativen anzusehen. Hauptsache, man kann einen Text, vielleicht auch mal mit einer Tabelle, sauber formatieren – und bequem mit der Software arbeiten. Vielleicht wird es dann trotzdem Word werden, einfach, weil man die letzten zehn Jahre im Büro damit gearbeitet hat und sich mit Words Macken abgefunden hat. Aber ausprobieren sollte man die Alternativen wie z.B. OpenOffice.org, schon rein aus finanziellen Überlegungen.

Ja, OpenOffice. Damit funktionieren auch „Änderungen verfolgen“ und die Kommentarfunktion von Word. Wenn man also – selten einmal – einen Kunden hat, der so seine Autorenkorrekturen einträgt, kann man auch als Microsoftverweigerer ruhig schlafen. Und etwaige Powerpoint-Folien, die der Kunde als Quellmaterial anliefert, werden damit auch angezeigt. Und da OpenOffice kostenlos ist, hat man genug Geld auf der hohen Kante, um es ins wichtigste Werkzeug zu investieren. Dazu später mehr.

Kurz gesagt: Wählen Sie die Textverarbeitung aus, mit der Sie am besten arbeiten können. Hauptsache, man schickt schlussendlich dem Kunden ein .doc oder .rtf oder .pdf zu.

Genau: PDF. Sollte man immer für die finalen Texte einsetzen, mindestens als Beigabe. Mac OS X bringt die PDF-Erstellung gleich mit, Office 2007 für Windows kann’s auch, OpenOffice sowieso. Wer mit Office 2003 oder älter arbeiten möchte, kommt entweder um einen kostenlosen PDF-Writer oder gar Acrobat Distiller nicht herum. Das gesamte Acrobat-Paket braucht man als Texter jedoch nicht. Eigentlich reichen ein kostenloser PDF-Anzeiger (wieder: für angeliefertes Quellmaterial) und irgend ein virtueller PDF-Drucker aus.

Wenn man sich aufs Internet spezialisiert hat, muss man als Texter damit rechnen, dass man auch einmal etwas direkt ins Netz stellen soll. Entsprechend braucht man einen Standard-konformen Web-Browser, der mit möglichst vielen Content-Management-Systemen zusammenarbeitet. Ich mach’s kurz – nehmen Sie dafür Firefox. Ganz selten einmal gerät man an ein Uralt-CMS, das nur mit dem Internet-Explorer funktioniert. Das ist dann Pech, aber solche Systeme sterben zum Glück langsam aus. „Survival of the Fittest“ und so.

Dann braucht man natürlich auch ein vernünftiges E-Mail-Programm. Outlook Express gehört nicht in diese Kategorie, kann z.B. nur holprig mit digitalen Signaturen umgehen, die manche etwas paranoidere Kunden voraussetzen. Wenn’s gratis bleiben soll, nimmt man Thunderbird oder Apple Mail. Wer eh schon Office gekauft hat, darf auch gerne Outlook – ohne „Express“ – oder Entourage einsetzen.

Aufs Telephon gehe ich jetzt nicht weiters ein. Das dürfte ersichtlich sein. Aber wenn Sie am Wochenende Ihre Ruhe wollen, besorgen Sie sich eine Zweitnummer, die ausschließlich zu „Bürozeiten“ klingelt. Nur so als Tip.

Was oft vergessen wird: Nachschlagewerke bereitstellen! Ich empfehle, sich im Antiquariat einen Duden der alten Rechtschreibung zu besorgen, zusätzlich zu einem aktuellen Wörterbuch. Dann ist man flexibler, denn es ist gut möglich, dass ein Kunde auf der alten Rechtschreibung besteht. Die ist faktisch nur für Behörden und öffentliche Einrichtungen wie Schulen „falsch“; in der Privatwirtschaft gilt sie zwar als veraltet, darf aber weiterhin eingesetzt werden. Und wie bereits an anderer Stelle erwähnt bestimmt der Kunde Stil, Tonalität und Form der gelieferten Texte. Augen zu und durch.

Das wichtigste Handwerkszeug habe ich mir für den Schluß aufgespart: Die Genussmittel. Je nach Gusto und Suchtverhalten sollte man darauf achten, dass immer genügend Kaffee, Tee, Schokolade oder Zigaretten im Haus sind. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man als Raucher fünf Stunden an einem Text sitzt, ohne dass mal eine Zigarettenpause möglich wäre. Weil man sich die Kippen dank Microsoft Office nicht mehr leisten konnte. Dann können auch die perfekte Textverarbeitung, der schnellste Computer und der Duden von 1937 nichts mehr rausreißen.

Dieser Artikel erschien erstmalig am 17. Oktober 2008 im Forum der Schreibszene Schweiz.

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