GTD, Teil 2: Klassische Kontexte und ihre Probleme

Besonders für Freiberufler ergeben die klassischen Kontexte nach David Allens »Getting Things Done« oft nur wenig Sinn. Wo die konkreten Probleme liegen diskutieren wir in diesem zweiten Teil der GTD-Reihe.

Wie letzte Woche besprochen ist der Einsatz von Kontexten ganz generell für viele Menschen schwierig geworden. Kontexte scheinen von der modernen Realität überrollt worden zu sein. Dabei ist das Prinzip auch heute noch sinnvoll – der Kontext ist aus gutem Grund die wichtigste der vier Säulen der »Getting Things Done«-Methode. Das System geht davon aus, dass man jede einzelne Aufgabe nach vier Kriterien definieren bzw. auswählen kann:

  1. Kontext
  2. Nötiger Zeitaufwand
  3. Nötiges Energieniveau
  4. Priorität

Nicht immer muss man für eine Aufgabe alle vier Kriterien festlegen, aber: Zu jeder Aufgabe gehört immer ein Kontext. Nicht unbedingt der erwartete Zeitaufwand, das benötigte Energieniveau (»wie geistig fit muss ich sein, um diese Aufgabe zu erledigen?«) oder eine Priorität. Aber Kontext? Ein Muss.

Der einsame kanonische Kontext

David Allen definiert den Kontext als das eine Ding, das unverzichtbar ist, um eine Aufgabe abhaken zu können. Sowohl 2001 als auch in der überarbeiten Neuauflage seines Buches von 2015 zeigt er sich davon überzeugt, dass es tatsächlich immer ein Ding sein wird – wenn man das Gefühl hat, dass eine Aufgabe in mehrere Kontexte passen könnte, hat man entweder seine Kontexte schlecht gewählt oder aber die Aufgabe noch nicht gründlich genug in Einzelschritte herunter gebrochen.

Kanonisch unterscheidet GTD zwischen ortsgebundenen Kontexten, Ressourcen-Kontexten und Meta-Kontexten. Die meisten GTD-Nutzer verwenden in ihrem persönlichen System eine Mischung aus diesen Kontext-Typen, was nicht selten zu Problemen führt.

Ortsbezogene Kontexte legen fest, wo man sich aufhalten muss, um eine Aufgabe zu erledigen. Wenn die Aufgabe »Katzenklo leeren« ansteht, hat es wenig Sinn, wenn man im schicken Coworking-Space daran erinnert wird. Verschiedene digitale Aufgabenverwaltungen wie z.B. OmniFocus können Kontexte mit GPS kombinieren. Betritt man dann den Baumarkt, poppt die Aufgabe »Vorschlaghammer kaufen!« auf dem Handy auf. Ist man aber in der Migros, ist die Aufgabe nicht sichtbar – dafür erscheint vielleicht »OMG Tampons! Wir brauchen Tampons!!!«.

Das Problem: Wir arbeiten immer dezentraler. Ob man ein Projekt im Heimbüro, in einem der drölfzillionen Coworking-Spaces oder im ÖV fertigstellt ist egal, und mit Online-Shopping kann man sich zur Not Tampons (und Vorschlaghammer) auch frei Haus liefern lassen.

Ein Ressourcen-Kontext versucht, das eine unverzichtbare Werkzeug oder eben: die eine unverzichtbare Ressource festzulegen. Wenn man Daten aus dem abgeriegelten Kunden-Intranet benötigt, dann braucht man eben Intranet-Zugang. Bei einer Aufgabe wie »Spesenabrechnung mit Kunde besprechen« ist es vielleicht wurst, ob man das telefonisch, per Mail oder mit Rauchzeichen erledigt, aber man benötigt halt dazu den Jochen-aus-der-Buchhaltung.

Das Problem: Je nach Beruf hat man ständig Zugang zu den benötigten Ressourcen. Ein Telefon haben die meisten Menschen unserer Hemisphäre eh 24/7 bei sich. Und ob der Jochen überhaupt noch für Spesen zuständig ist? Das kann sich schnell ändern, und als Freelancer hat man nicht unbedingt den vollen Einblick in die Firmenstruktur des Kunden.

Meta-Kontexte dienen hauptsächlich dazu, die tagesaktuelle Aufgabenliste sauber zu halten. Wartet man z.B. auf Feedback zu einer Projektmappe, dann hilft es wenig, wenn das in der Liste geführt ist – es ist keine aktive Aufgabe, die ich anpacken kann. Der Klient muss sich melden. Und dass ich mir vorgenommen habe, vielleicht nächsten Sommer eine Baumhütte zu basteln oder drei Monate in Ísland zu leben ist zwar schön, aber daran kann ich tagesaktuell nicht wirklich arbeiten.

Das Problem: Meta-Kontexte werden schnell zu ungeordneten Sammeltöpfen. Statt dass man sich bei Aufgaben fragt, zu welchem Projekt und in welchen Kontext sie gehören, wirft man sie in die Meta-Listen. Ich kann mich spontan nicht für einen passenden Kontext für »Klempner anrufen« entscheiden? Ab nach @Agenda damit! Ich sollte mal die Sache mit dem Fitnesscenter angehen? Och, @Someday vielleicht …

Vermischung als Hauptproblem

Neben der Frage, ob die klassischen, kanonischen Kontext-Ansätze in der heutigen Zeit überhaupt noch Sinn ergeben, stellt die Wahl des »richtigen« Kontexts das Hauptproblem dar. Besonders schwierig wird es, wenn man Kontext-Typen kombiniert. Ist es für eine Aufgabe relevanter, dass sie im @Büro erledigt wird, oder mit @Kundendatenbank? Gehört die Vorbereitung für eine Präsentation zu @Agenda:Projektleiter oder eher in die Kategorie @Powerpoint? Viele wünschen sich entsprechend die Möglichkeit, mehrere Kontexte vergeben zu können – was beim klassischen Papier-und-Ordner-GTD extrem aufwendig wird und bei digitalen Werkzeugen wie OmniFocus (noch?) nicht vorgesehen ist.

Ein Weg aus diesem Dilemma ist der bereits letztes Mal geforderte kreativere Umgang mit Kontexten. Welche Möglichkeiten es hierfür gibt, besprechen wir im nächsten Beitrag.

GTD für (heutige) Freischaffende, Teil 1: Über Kontexte

Ich verwende seit vielen Jahren eine Variante der »Getting Things Done«-Methode (GTD). Aber wie nützlich sind deren Konzepte für heutige Freelancer? Eine Betrachtung in einer losen Artikelreihe.

Wie viele GTD-Nutzer halte auch ich mich schon beinahe sklavisch an einige der klassischen Regeln wie z.B. »Was du in 2 Minuten erledigen kannst, erledige sofort« oder »Im Zweifelsfall lieber ein zusätzliches Projekt eröffnen statt eine ungeordnete Liste verwenden.« Aber wie vielen anderen auch hat mir David Allens Metapher der »Kontexte« zusehends Mühe gemacht – ärgerlich, da der Kontext einer der vier Grundpfeiler des gesamten GTD-Systems darstellt.

Weshalb gibt es sowohl unter Hardcore-GTD-Anhängern als auch in den Software-Communities für Produkte wie 2Do oder OmniFocus ständig Diskussionen darüber, was ein passender Kontext sein könnte oder wie viele Kontexte eine Aufgabe tatsächlich haben sollte? Allen hat das doch alles definiert! Der Kontext ist die eine nötigste Voraussetzung, um überhaupt eine Aufgabe erledigen zu können! Logisch und einfach!

Ja. Das war es vielleicht, als Allen sein Buch veröffentlichte. Aber das GTD-Konzept ist mittlerweile doch recht alt geworden.

Von der technischen Entwicklung überholt?

Allens Buch kam im Jahr 2001 raus, nach gut einem Jahrzehnt Forschung und Entwicklung. Die Idee, dass ein einzelner Kontext »das eine unverzichtbare Mittel, um eine Aufgabe erledigen zu können« widerspiegeln und so als Organisationsmittel dienen kann, entstammt also den (späten) 90ern. Also einer Zeit, in der ein Smartphone so

By Oldmobil - Saját fotó, CC BY-SA 3.0, Link

By Oldmobil – Saját fotó, CC BY-SA 3.0, Link

ein Macbook bzw. iBook so

und eine Kontakte-Verwaltung so

By Poolcode, CC BY-SA 3.0, Link

By Poolcode, CC BY-SA 3.0, Link

aussahen. Kurz gesagt – nicht vergleichbar mit der heutigen digitalen und hochmobilen Arbeitsrealität.

Nehmen wir den klassischen GTD-Kontext @Phone. In einer Zeit, in der Leute Angst davor haben, süchtig nach Ihrem Handy zu werden, erscheint es eigenartig, dass ein Telefon als »verfügbares Mittel« definieren soll, ob eine Aufgabe machbar ist – oder in der Aufgabenverwaltung ausgeblendet gehört. Ähnlich steht es um Kontexte wie @Online oder @email. Hatte Sinn, als man höchstens im Büro oder an der Uni einen flotten Internetzugang oder nur schon Mail-Zugriff hatte. Heute jedoch?

Kreativerer Umgang mit Kontexten ist nötig geworden

Das Konzept der Kontexte wurde also von der Digitalen Revolution, nun ja, überrollt. Entsprechend kreativ gehen heute die Nutzer an ihre Kontexte heran – müssen es, damit es noch ansatzweise Sinn ergibt. Das gilt besonders für Freiberufler, die oft nicht einmal eine räumliche Trennung à la @Office / @Home in Kontexten abbilden können. Ich werde mein eigenes System in einem späteren Beitrag erklären, aber um heute doch noch ansatzweise konstruktiv zu schließen:

Meine Kontexte, etwas anonymisiert, Stand Frühjahr 2016 bis heute.

Meine Kontexte, etwas anonymisiert, Stand Frühjahr 2016 bis heute.

Progrey Filter-System: Von Filterhaltern und Adaptern.

Filter. Manche lieben sie, andere hassen sie. Beruflich gehöre ich in die zweite Kategorie, aber da ist ja noch mein Hobby »Landschaftsfotografie«. In einer kurzen Artikel-Reihe beschreibe ich meine Experimente mit dem Progrey Filter-System. Teil 2: Die Hardware.

Iburg, Wattwil. von Sascha Erni auf 500px.com

Verlaufsfilter hatten ihre große Zeit in der vordigitalen Ära: Was heutige Kameras mit Mehrfachbelichtungen, Motivprogrammen und gesteigerter Dynamik zu erledigen versuchen ging damals nur mit dem Einsatz von Filtern vorm Objektiv. Denn auch wenn das beste Filmmaterial auf rund 10 Blenden Dynamikumfang kam, beim Ausbelichten aufs Fotopapier musste man sich auf fünf bis sieben beschränken. Heutige Präsentationsformen wie LED-Bildschirme oder Spezialdruck z.B. auf hintergrundbeleuchtetes Plexiglas sind da etwas großzügiger, aber auch digital gibt es gute Gründe, bereits bei der Belichtung den Dynamikumfang zu bändigen. Hier kommen Verlaufsfilter zum Zuge.

Reinschieben, nicht reinschrauben.

Jeder kennt Filter, die man sich vors Objektiv schraubt. Polfilter sind auch bei Digifotografen beliebt, noch mehr Leute verwenden oft unnötigerweise UV-Schutzfilter als, nun ja, Objektivschutz gegen Staub und sabbernde Hundezungen. So oder so, die meisten werden Filter kennen, die man ins Filtergewinde seiner Objektive schraubt. Ein Filter-System jedoch funktioniert anders.

Progrey Filter-System Links ein üblicher Reindreh-Filter, rechts das Progrey-System.

Mal ganz ab vom »Look« – weshalb gehen Hersteller wie Progrey diesen Weg? Das hat zwei Gründe:

  1. Filter sollen leicht zu wechseln und exakt auszurichten sein.
  2. Keine Vignettierung!

Der erste Punkt ist klar – wenn man sich schon die Mühe macht, die Kamera auf einem Dreibein möglichst exakt auszurichten und dann x Stunden aufs richtige Licht zu warten, dann möchte man etwaige (Verlaufs-)Filter auch auf den Millimeter genau einstellen können. Das geht mit Filterhalter, Wasserwaage und großen Glasscheiben einfacher als mit einem fummligen Reinschraub-Ding, das gerade mal so groß ist wie das Frontelement des verwendeten Objektivs. Andere Filterstärken durchprobieren, ohne die Kamera zu bewegen? Kein Problem – Filterglas rausziehen, neuen Filter reinschieben, fertig.

Der zweite Punkt erscheint mir aber fast wichtiger. Reinschraubfilter, ob mit oder ohne Step-up-Ring, sorgen fast immer für einen Randabfall. Diese »Vignettierung« wird oft als Stil- und Kompositionselement geschätzt, sollte aber für beste Qualität nicht dem Zufall überlassen sondern gezielt eingesetzt werden. Je größer der Filter vor dem Objektiv, desto geringer die Gefahr eines unerwünschten Randabfalls.

Der Filterhalter.

Lynn stellte mir den G-85X Filterhalter zur Verfügung. Die »85« sagt eigentlich schon, was Sache ist: Die dazu passenden Filterplatten sind 85mm breit, also fast doppelt so groß wie die Öffnungen meiner bevorzugten Objektive. Vignettierung ausgeschlossen! Wer es noch größer mag, Progrey bietet Halter (und Filter) bis 150mm an. Das reicht dann auch für Fachformat-Objektive oder extreme Weitwinkel an Kleinbild. Um den Halter an die Kamera zu bekommen, verwendet man einen Adapter passend zum Filtergewinde der verwendeten Objektive – in meinem Fall einen 46mm-Adapter.

Progrey G-85X

Filterhalter und Adapter sind aus Metall gefräst und extrem gut verarbeitet. Hier wackelt nichts, kein Spiel, aber auch keine Grate oder scharfen Kanten. Geliefert werden die Halter mit einer wattierten Tasche, die auch Platz für Filter und Zubehör bieten.

Der Filterhalter bietet gummierten, nun ja, Halt für eine bis drei eingesetzte Filter. Man kann also bei Bedarf auch einen ND- mit einem Verlaufsfilter kombinieren, oder noch zusätzlich einen Farbkorrekturfilter reinschieben. Ich benötige nur Verlaufsfilter, also montierte ich die Halterung für einen einzelnen Filter. Verschiedene Halterungen und ein Imbusschlüssel waren netterweise beigepackt.

Die Montage ist denkbar einfach gelöst: Man wählt die passende Haltergröße, dann setzt man den Adapter ein und schraubt das Ungetüm ins Filtergewinde des gewünschten Objektivs. Mit einer Stellschraube lässt sich die Ausrichtung des Halters arretieren. Dann setzt man die gewünschten Filter ein.

Die Filter.

Ich griff für meine Tests vorwiegend zu den Verlaufsfiltern; besonders angetan hatte es mir der 1.2er. Progrey unterscheidet zwischen »Soft« und »Hard« und beschreibt damit die Kante zwischen »abgedunkelt« und »klar«. Die Zahlen an den Filtern geben die Blendenwerte der Abdunklung an; in diesem Fall kann ich also Vorder- und Hintergrund um 1.2 Blenden »komprimieren«. Das reicht aus, um die Anzahl Tonwerte im Mittenbereich faktisch zu verdoppeln, was insbesondere bei der Schwarzweißarbeit nützlich ist. RAW-Konverter mögen mit jeder Version besser interpolieren können, aber besonders im großformatigen Druck gilt: je weniger interpoliert werden muss, desto besser das Ergebnis.

Die Filter sind extrem hochwertig und kein Vergleich zu den Dingern, die man bei Media Markt und Konsorten im Regal rumliegen sieht. Progrey verwendet Kunststoffe, mit denen auch Brillengläser hergestellt werden, und selektiert rabiat nach Gleichförmigkeit. Wenn auf einem Filter 1.2 steht, dann dunkelt der am Maximalpunkt auch genau 1.2 Blenden ab, und nicht eine Blende oder eineinhalb oder 1.1. Luft- und Staubeinschlüsse sind ausgeschlossen, Schärfeverluste ebenso.

100 Prozent Ansicht Ein 100%-Ausschnitt aus dem Bild oben, nicht nachgeschärft.

Fazit.

Verarbeitung, Handhabung und Qualität des Progrey Filter-Systems lassen nichts zu wünschen übrig. Die Einzelteile sind robust und äußerst exakt auf einander abgestimmt. Das heißt auch, dass nichts wackelt oder Spiel hat, selbst die eingeschobenen Filter halten bombenfest. Auf meinen Wanderungen ließ ich die Filter meistens im Halter, die Kamera über die Schulter gehängt – nichts löste sich, kein Filter rutschte aus der Gummi-Nut, sie verschoben sich nicht einen Millimeter. Trotzdem ließen sich die Filter auch mit Handschuhen schnell und einfach wechseln. Die mitgelieferte Transporthülle erwies sich als äußerst nützlich, schützte die Filter und sorgte für Ordnung in der vollgepackten Fototasche.

Wie genau sich das Progrey-System in meiner Foto-Praxis schlägt, das erzähle ich in einem nächsten Artikel.

Lynn Radeka von Progrey USA wollte wissen, ob ich deren Filter-System supi oder doof finde. Also schickte er mir ein großes Paket mit Filtern und Haltern in die Schweiz. Dieser Artikel ist der zweite einer kurzen Reihe von Texten darüber, weshalb ich als beruflicher Nicht-Filter-Nutzer dennoch daran interessiert war, wie ich mit dem System umgehe – und für wen sich das Filter-System lohnt, weniger lohnt, oder gar ein absolutes MUSS darstellen könnte. Teil 1 findet sich hier.