Einträge mit ‘Agentur’

Wie man schlechte P.R. schreibt.

Samstag, 21. Mai 2011

Öffentlichkeitsarbeit, oder etwas moderner Public Relations, gehört zu jedem Unternehmen. Und ist eine der Haupteinnahmequellen freier Textredakteure. Aber Sie möchten die miesest-mögliche P.R. (dreifachgemoppelt) für Ihre Auftraggeber leisten? Kein Problem, ich habe Ihnen eine handliche Liste zusammengestellt. Damit geht garantiert nichts schief. Oder es kommt garantiert nichts gut, je nach Betrachtungswinkel.

Die sieben Regeln lauten:

  1. Verwenden Sie möglichst viele Fachausdrücke, gerne auch solche, die Sie selbst erfunden haben. Sie wollen immerhin Menschen vom Fach ansprechen, und nicht deren Entscheidungsträger Vorgesetzten.
  2. Auch wenn Sie in einem multinationalen, mehrsprachigen Unternehmen arbeiten: Überlassen Sie die Übersetzung Ihrer Medienmeldung den Spezialisten der Regionalzeitungen, die den Text übernehmen wollen. Besonders, wenn Sie oft von 1. Gebrauch machen oder eine gewisse sprachkünstlerische Ader ausleben möchten.
  3. Lassen Sie sich Zeit, im Fall der Fälle eine geschliffene P.R.-Meldung zu verteilen. Die Nutzerdaten ihrer 300 000 Abonnenten sind sowieso schon weg, eine Stellungnahme muss alle Eventualitäten abdecken. Und das dauert eben; die anderen 500 000 Abonnenten werden die ein, zwei Wochen Bedenkzeit sehr schätzen.
  4. Zögern Sie nicht, die Marketing-Abteilung beratend hinzu zu ziehen. Diese hat ein besseres Verständnis der Unternehmenskommunikation als Sie als P.R.-Fachperson. Immerhin hat das Marketing ein höheres Budget, das heißt schon etwas!
  5. Ebenso läuft die Endabnahme am Besten über die Marketing-Abteilung. Die Chefin hat Wichtigeres zu tun, als sich vor der morgigen Aktionärsversammlung mit dem vorzulegenden Strategie-Papier auseinanderzusetzen und vielleicht gar Korrekturen einzubringen.
  6. Vergessen Sie nicht, auf Ihrem anonymisierten Twitter-Kanal Gegendarstellungen zu veröffentlichen oder über Ihren – ebenfalls anonymisierten – Auftraggeber zu lästern. Privat ist privat, und Sie werden immerhin nur während der Bürozeiten bezahlt, oder?
  7. Der wichtigste Punkt zuletzt: Investieren Sie so viele Ressourcen wie möglich in Kommentare auf Zeitungs-Websites, Blogs, Facebook und in Foren, um Ihr Unternehmen respektive Ihren Auftraggeber besser darzustellen. Billigere P.R. geht nicht! Und das fällt mit kreativen Nutzernamen auch gar nicht auf!

Wenn Sie diese sieben eisernen Regeln bereits befolgen, dann Gratulation: Sie haben Weiterbildung oder gar den Master-Studiengang in Public Relations nicht nötig. Sie sind schon jetzt Blubberkönig™ und wissen genau, was Sie tun. Und weshalb Sie es tun. Hut ab! Eine ganze Branche schaut zu Ihnen auf!

Welche Branche, die der Texter oder die der Personalvermittler, lasse ich jedoch offen.

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Agenturen und Freelancer, oder die Sache mit dem Material, Teil 2.

Freitag, 21. Mai 2010

Oft wird man als Texter auch von Agenturen angegangen, die ein Projekt nicht allein stemmen können. Das ist nicht weiters schlimm, immerhin verkauft sich ein Haufen Textarbeiter als „Kommunikationsexperten“. Nicht schlimm, so lange der Kunde vernünftiges Ausgangsmaterial liefert oder kreative Höhenflüge nicht gleich per se verbietet. Weil sonst die P.R.-Verantwortliche in den Hungerstreik tritt oder die Rechtsabteilung bittere Tränen weint und einen Haufen potentieller Raubmordkopierer vor den Kadi zerren muss, um die Firma im Auge der Öffentlichkeit vorteilhaft zu positionieren.

Wie bereits in der allerersten Kolumne besprochen stellt sich immer die Frage nach dem Material. In meinem heutigen Beitrag erweitert sich die Perspektive um den Faktor „Agentur“: Diese nimmt dem Kreativen Kommunikationskram ab, der Schreiberling gibt einen Rabatt, und alle sind glücklich. Aber z’Füüferli und zWäggli sind im Freelancer-Umfeld nur mit masochistischen Tendenzen seitens der Texterin, mit ruchlosen Kunden oder einer hirnamputierten Zuschauerschaft möglich.

Hirnamputiert? Geht’s noch???

Tschuldigung. Ich habe mich zu dem Thema (sogar auf Englisch!) ausgekotzt, hier will ich ein wenig nüchterner bleiben. Oder mahnender, Zeigefinger-hochhaltender. Denn es ist klar: Entweder, Agentur und Kundin vertrauen den Kreativen und lassen sie das machen, wofür man sie umworben hat. Oder der Kunde liefert selbst interessante Inhalte, die aufgewertet werden sollen. Aber in keinem Fall sollte man vom Rand des Fußballfeldes mit vergifteten Pfeilen auf die Spieler schießen. Das mag oft in der Agenturisten-Natur liegen und auf Außenstehende recht drollig wirken, aber damit verärgert man die freien Mitarbeiter und zeigt sich als planlosen Zombie der Gewinnmaximierung. Während sich das nicht-lobotomisierte Publikum fragt, was die bereits x-Mal gesehenen Inhalte bewirken sollen.

Für freischaffende Texter stellt sich hier zuerst die [Honorarfrage][3]. Wenn man mit Agenturen statt Endkunden zu tun hat, reduziert man seinen Stundensatz. Logisch. Besagte Agentur hat den Kunden aufgetan und kümmert sich auch um ihn; der „freie Mitarbeiter“ kann einfach seine Aufgaben abarbeiten, ohne mit dem Kunden diskutieren zu müssen. Er ist ja Mitarbeiter, nicht Entscheidungsträger. Und verdient entsprechend weniger. Für die Koordination gibt es die Projektleitung durch die Agentur, der man dafür als Texterin einen Abschlag aufs eigene Honorar gewährt hat.

Nur leider sehen das einige Auftraggeber etwas verschwommen. Und der Freischaffende fragt sich: Für den Stress verzichte ich auf einen gehörigen Teil meines Stundensatzes? Ich soll dasselbe machen, wie wenn ich dem Kunden selbst offeriert hätte, aber für die Hälfte meines Mindesthonorars? (weiterlesen …)

Haltet den Dieb!

Freitag, 12. Dezember 2008

Diese Woche hat mich eine E-Mail erreicht, mit folgendem Inhalt:

Hallo Sascha
Ab [Datum] werde ich in einer Firma als Texterin arbeiten, die Websites entwickelt. Nun kam bei einem Gespräch die Frage auf, wem denn nun der Text gehört, den ich schreibe: dem Kunden, mir selber oder der Web-Firma. Wie machst Du das?

Ja, die Sache mit den Rechten … Und da ich oft deswegen angefragt werde (manchmal sogar von potentiellen Kunden! Wow!), widme ich dieser Frage meinen aktuellen Beitrag. (weiterlesen …)